Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1902
- Issue
- 1 (1902) Heft IX
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Schädeln, auf blondem und schwarzem Haar gründen. Mein Ehrgeiz geht nicht so weit. Ich will mich begnügen, hier einiges über die Geschichte der Namen bei den Juden zu berichten, gelegentlich auf Analogien bei andern Völkern hinzuweisen und das Schlüsseziehen und Theoriebauen Andern überlassen. Selbstverständlich muss eine solche Arbeit mit den biblischen Namen beginnen, obwohl biblische und jüdische Namen nicht identisch sind. Aber ich werde mich für diese älteste Zeit kürzer fassen, da wir für sie bereits wertvolle Arbeiten besitzen. Ich nenne hier vor allem: ״Die Eigennamen des Alten Testaments in ihrer Bedeutung für die Kenntnis des hebräischen Volksglaubens“, vom Herausgeber dieser Zeitschrift und ״Die superstitiöse Bedeutung des Eigennamens im vormosaischen Israel“, von Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. Die Bibel zeigt das Bestreben, die Bedeutung und Entstehung der Namen zu erklären, sie von den Verhältnissen und Schicksalen der Eltern des zu Benennenden abzuleiten, sie als gutes Omen dienen zu lassen, manchmal auch mit ihnen auf die Geschicke anderer, ja des ganzen Volkes hinzudeuten. Es mag genügen, hier auf Genesis III 20, IV 25, V 29, XXI 6, Exodus II 10. auf die Namen der zwölf Stämme und auf Jesaias VII 14, VIII 3 zu verweisen. Eigentümlich ist es auch in der Bibel, dass nur selten zwei Personen den gleichen Namen führen, wie z. B. Jarobeam Sohn Nebot (I Kön. XI 26) und Jarobeam Sohn Joasch (II Kön. XIV 23).ג) Und gleichzeitig mit dem ersten Jarobeam in Israel regierte Rechabeam in Juda! Merkwürdig ist es, dass die jüdischen Könige sich nicht nach Personen des Pentateuch nannten und auch ihre Namen sich nicht wiederholen, wie z. B. die Antiochus in Syrien, die Ptolemäus in Aegypten, die Heinriche und Karl in Frankreich. Kein König von Juda nannte sich David II oder Salomo II. Erst lange nach dem Exil beginnt man, wie es noch jetzt üblich ist, Kinder nach verstorbenen Verwandten zu benennen und bei den Hasmonäern finden wir schon mehrere Aristobul. Es tauchen aber auch biblische Namen wieder auf, wie Juda, Simon, Eleazar, Jonathan, Mirjam u. s. w. Es war dies vielleicht ein Folge der Reaktion gegen die aufgedrungene griechische Bildung und Religion. Gleichzeitig beginnt aber auch die Mode der Doppelnamen (jüdisch und römisch oder griechisch), die wir sowohl bei den Hasmonäern als bei den christlichen Aposteln finden. Uebrigens finden sich Doppelnamen und Namensänderungen schon im Alten Testament. Manchmal wird auf göttlichem Be- *) Ick erwähne noch Elieser (Genesis XV 2, Exodus XVIII 4, Numeri XXVI 1), Milkah (Genesis XL 29, Numeri XXVI 33) und Benjamin (auch in Nehemia III 23)