Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 2 (1901) Heft VIII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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170 zur Errichtung der Synagogen und anderer Gebäude für die Juden in den ihnen gehörigen Städtchen Geldmittel spendeten. Durch einen solchen Akt der religiösen Toleranz zeichneten sich z. B. aus Radziwilt, Lubomirscy und andere. Es könnten also in diesem Falle christliche Baumeister Baupläne geliefert oder doch mit Rat und That an diesen Bauten mitgeholfen haben. Nun müssen wir hier eine Synagoge näher erwähnen, welche unbedingt zu den ausgesprochenen Mustern der früheren jüdischen Baukunst gehört. Die Beschreibung dieser Synagoge verdient um so inehr Aufmerksamkeit und Interesse, als die Synagoge vor zwei Jahren ihre schöne architektonische Form durch ihren gänzlich verunglückten Umbau verlor, welcher leider den ganzen früheren originellen Charakter und das Gepräge ehemaliger jüdischer Holzbaukunst verwischt hat. Wir sprechen hier von der alten Synagoge in Pohrebyszcze, einer kleinen Stadt im Gouvernement Kijow, Berdyczower Bezirk, gelegen. Diese Synagoge, deren Abbildung wir (Fig. 12) nach einer vor zwei Jahren für uns angefertigten Photographie wiedergeben, stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Vor vielen Jahren hat ein Brand das ganze Städtchen vernichtet, ebenso das Kahalhaus, in welchem sich auch die Bücher der jüdischen Gemeinde befanden. Genau anzugeben, in welchem Jahre diese Synagoge erbaut wurde, ist also aus Mangel an Dokumenten schwierig. Über ihre Entstehung sind zwar verschiedene Legenden im Umlauf, da aber diese Erzählungen auf keinem historischen Boden beruhen, vielmehr fabelhafter Natur sind, so können dieselben keinen wissenschaftlichen Wert beanspruchen. Als einziger Fingerzeig kann hier ein kleines steinernes Denkmal dienen, das an die Wände der Synagoge beinahe stösst und auf welchem eine alte hebräische Inschrift, die bereits etwas verwischt ist, besagt, dass im Jahre 1648 Chmielniekis Horden Pohrebyszcze jählings überfielen und sowohl polnische Magnaten wie sämtliche Juden, Greise, Jünglinge, Frauen und Kinder, welche sich gerade in unserem uralten Gotteshause befanden, ermordeten, und dies im selben Augenblicke, als daselbst die Trauung eines jungen Paares stattfand. Wenn bereits im Jahre 1648 diese Synagoge als uralte erwähnt wird, so muss dieselbe wenigstens aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts stammen. Was uns noch einigermassen hinsichtlich des Alters der Synagoge zu Pohrebyszcze einen Anhalt geben kann, ist der Umstand, dass dort im Jahre 1730 eine griechische Kirche erbaut wurde, deren Schenkungsurkunde erklärt, dass in diesem Jahre (1730) die alte Synagoge, welche im Laufe der Zeit arg mitgenommen worden war, wieder restauriert wurde. Es ist־ unbegreiflich, weshalb dies gerade hier erwähnt wird. Unter anderen Überbleibseln der früheren Kunst befindet sich in dieser Synagoge ein Pergamentgebetbuch in Folio, welches reich verziert geschrieben und durch Arabesken sowie Initialen ausgeschmückt ist. Wie die Aufschrift dieses Buches besagt, wurde an dem Gebetbuche einige Jahre lang geschrieben und dasselbe 1735 beendet von Arye Jehuda Lejb, Sohn Baruchs, welcher seine Arbeit, wie er sich ausdrückt ״der uralten und heiligen Synagoge in Pohrebyszcze“ widmete. Allenfalls kann man nach diesen hier angeführten Daten annehmen, dass das Gebäude aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderis stammt.