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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 2 (1901) Heft VIII · p. Seite 158

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
2 (1901) Heft VIII
Date
1901-01-01
Page
Seite 158 (sequence 49)
Language
German
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158 Chasen [Vorbeter] is er gewesen! Wie viel Thränen hob ich vergossen, wenn er hot sein Towau lefonecho [ein Gebet] gesungen! Ich muss enk den Niggen [Melodie] singen. (Wird gesungen.) Er hat dos weit betamter [geschickter] gesungen, denn er hot tomit [stets] geschnaufelt, wie ein Eglo arufo [das Tier, von dem Dt 21,4 f. die Rede ist]. Wenn ich hab ehm gefragt: ״Chajeni [nom. pr.], was schnaufelst De und worum redst De unter de Nos?4‘ Hot ei mir geenfert: ״Chawe [n. pr.], Du bist a Schaute [Narr]! Wenn mein Maul über die Nos war, het ich geredt über die Nos, mein Maul is doch unter der Nos, muss ich redden unter der Nos“. — Is nicht a Schod, dass asoj Chochem [Weiser] soll asoj spät, will ich sogen: asoj zeitlich kühlen! Jetzt will ich wieder zu mein Rabeinu ßechaje gein. Wie Gott hot Chawe [Eva] zu Odom geführt, hot er bekummen a Klopp in Harz, wie sichs gebührt, die Neschome [Seele] is ehm miemes ausgegangen, esoj grojss war nach ihr sein Verlangen. Er hat sie umarmt übers Genack, und ausgerufen mit vielem Geschmack: ״Chaweleben, Du bist Fleisch von mein Fleisch, Gebein von mein Bein, die behalt ich mir ganz allein. Chawreleben Du bist a ganz schein Mad, ich frag nischt ob Du hast Mesumen [Geld | und Staat, ich nehm Dich nacket und blos, was kummt ens von die andern Schmonzes [Gerede] heraus!“ Chawe is gewesen a poschet [schlicht] Madel, ihr Herz is gewesen ohne Falsch un Tadel, sie hot nischt gesehen auf Komplimente und Galanterie un is meruze [willig] gewesen zu der Partie. ״Wos soll mir a Frack un Karawatt? Solche Nareschkeit bekommt me satt. Für mir passt das Socherl [Männchen], ich behalt mir das arme Bocherl [Junge]“. Un aso hobben sich genommen zwei arme Leit, er ohne Geld, sie ohne Kleid, in seiner Neschome [Seele] wor sein Vermögen, un Gott gab dazu seinen Segen. Ihr Staat war in ihrer schönen Tugend, ihr Luxus in ihrer fehlerlosen Jugend. Ihre Chasene [Hochzeit] war in Gen Eiden [Paradies] in grosse Simches [Freuden] ohne Leiden, ohne Klesmer [Musikant] un ohne Rabbiner, ohne Braten un ohne Hühner. Sie hobben sich glücklich vermählt, wenn auch der Flodcu [Kuchen] hot gefehlt. Schemberchu [Gott] hot geliott das Unterführen1) un hot sie dabei bewirtet nach Gebiihren, dabei hobben sie getanzt un gesungen a Stückei, dos muss enk nachsingen N. N\s. Rickel [Rebecka]. (Jetzt wird Addir hu gesungen. Melodie: ״Drunten im Unterland“.) Odom un Chawe lebten süss viele Johr im Paradies, sie hobben nischt gekennt Furcht un Maure [Furcht], denn sie hobben nur gethon den Rozen [Willen] von Baurc [Schöpfer]; sie worcn 1) Vgl. (Jen. r. VIII Ende.

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