Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 2 (1901) Heft VIII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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154 1. Kallal-Lied. Aufgezeichnet von M. Cohn u eingesandt von Oberkantor E. Kirschner. München. —0— 1. Jetzt wollen wir reden von Gottes Wort, was er uns geboten hat von Anfang dieser Welt. Dieser Tag geschieht dir zu Ehren, Busse thun hat Gott gar gern, nur alles ohne Verdruss. Nimmerthun ist die beste Buss. 2. Kommt ein Armer in dein Haus, lach’ und spotte ihn nicht aus, lang’ nur gleich nach der Almosenbüchs! Dafür wirst du viel Gutes haben, wenn den Armen reichst deine Gaben: koch’ am Freitag ein Gericht mehr, vielleicht kommt ein Gast daher. 3. An unsern Harjek (Herrgott) zweifle nur nicht, sieh’s an Vater Abrahams Geschieht; Sarah war im Zelte darinnen, die Engel sagen: sie wird einen Sohn gewinnen; Sarah hat gespott’ und gelacht, Gott aber hat viel in seiner Macht. 4. Von deinem Ehrenstuhl musst du aufstehen, zu deinen Eltern musst du gehen; musst sie bitten um Verzeihung. Bei der Mutter lass rinnen deine Augen, weil sie dich hat lassen saugen, unter vielen Sorg’ und Schmerzen dich getragen unterm Herzen. 5. Mit deinen Dienstboten sollst ordentlich umgehen, sogar manchmal durch die Finger sehen; solch armer Geschöpfe giebt's nebbich gar viel. Nun will ich mein Lied beschliessen, da ich 8eh’ der Kalleh Thränen fliessen. Ich wünsch' zu allen diesen Sachen, in s/4 Jahr eine Brissmfle zu machen.