Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Fragekasten. 1) Hi*. F. Jolles, Wien, ergänzt den Satz Mitteil. V S. 68 288: אבי אל הי שמך למה מלך משיח לא יבא דעו מאביכם ובו" und weist auf Jos• Tariers 1 יעלזו חסידים בכבודn ״Jerusa10m“ Heft H. Lemb. 1845, hin. eine Hymne auf den Chasidismus, wenn man vorwärtg, eine Satire, wenn man rückwärts liest. Hr. Dr. J. S. Bloch. Wien, teilt noch‘ folgenden Spruch mit, der vorwärts wie rückwärts die gleiche Lesang ergiebt: עיש תבל את יקר מנתי אל לב נדיב ביך נבל לא יתנם רק יתא לבת שיע■ Das älteste Beispiel ist wohl Aßlava&avaXßa — אב ל[ אתה (Baudissin, Studien zur sem. Rlgsgesch. I 191 Ahm. 2). Hierher gehört auch das Sprichwort (Blass M., Jüd. Sprichw.): 11! •ינתגןacht zurück ונתנו — do, des. Die Übersetzung Mitt. V a. a. 0., wo es natürlich heissen muss: ״dass ich nicht säumen werde . . . wenn die Zeit kommt“, beruht auf einem Lapsus calami; indem Text nebst Übersetzung so von Hn. W. in H. eingeliefert und aus Versehen abgedruckt wurde. 2) Das ״Messen“ Mitt. VI 137. Ausser den Ausführungen Mitt. V 60 u. VI a. a. 0. s. Lammert G., Volksmedizin und mediz. Aberglaube in Bayern, Würzb. 1869, S. 224: (gegen ״Hauptscheid“, eine Kopfkrankheit). ״Man misst mit einem Tuche, mit welchem der Kopf zugebunden wird, vom Barte bis zum Scheitel... Die kundige Druide misst den Kopf des Patienten mit einem roten Bande kreuz und quer und bringt heraus, dass der Kopf das rechte Mass nicht habe und der Kranke am Hauptscheide leide. Darauf zündet sie drei Wachskerzen von weisser, roter und grüner Farbe [vgl. Mitt. V 27] von der Länge an, um welche das Mass unrichtig war. und verbrennt sie unter Gebeten u. s. w. Vgl. S. 98. (S. 89 Hinweis auf Plinius, Hildegard und Grimm, Deutsche Mythol.) In den Mitt. d. Schles. Ges. f. Volksk. 1897 S. 65 wird aus dem Liebauer Thal berichtet: ״Messen. Derjenige, welcher sich unwohl fühlt, lässt sich messen, um zu erfahren, ob er ernstlich krank sei, ob er das Mass verloren habe oder geschwungen (= geschwunden) sei. Der zu Messende legt sich mit dem Rücken auf die Diele und streckt die Arme seitwärts aus. Dann wird mit einem Faden gemessen vom Kopf bis zur Verse des rechten Fusses. Dann wird gemessen vom Mittelfinger der einen Hand bis zu dem der andern Hand. Dieses Mass der Breite muss gleich sein dem Masse der Länge; ist dies nicht der Fall, so ist die Person krank, sie hat die Abzehrung, hat’s Mass verloren, ist geschwungen. Um solche Personen zu heilen, müssen sie gesehnt werden. Wer das Mass hat, ist gesund.“ S. das. weiter über das ״Sehnen“. Ueber das ״Feldmessen“ am Sterbetage, wobei der Umfang des Friedhofes auf seltsame Art gemessen wird, berichtet aus Podolien Franzos. Die Juden von Barnow, 5. Aufl. S. 330. Nach Herrn L. Klein, Vägujliely (Ungarn) ist der dortige Friedhof vor Jahren einmal gemessen worden. Daselbst wurde auch oft in schweren Krankheitsfällen im Anschluss an die Namensänderung eine Kerze in einen Laken geschlagen und auf dem Friedhof eingegraben. Zur Zeit einer Cholera traute man ein armes Paar auf einem Grabe. 3) ״In G'ott’s Namen!“1) Bau- und Spielsagen sind ein fruchtbares Feld auf dem Gebiete der Volkskunde, auch der jüdischen. *) Vergl. Mitt. II S. 76 zu St. 28. — In Grätz (Posen) geht man, wenn den Morgen nach dem Versöhnungstage jemand beim Gottesdienste fehlt, an dessen Platz und sagt: ,.N. N. lässt sich entschuldigen, er kann nicht kommen.“ J. Tarlau.