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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 1 (1901) Heft VII · p. Seite 94

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
1 (1901) Heft VII
Date
1901-01-01
Page
Seite 94 (sequence 95)
Language
German
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94 Eine der anziehendsten Spielsagen wird, wie ich gelegentlichen Gesprächen entnahm, in verschiedenen Varianten erzählt, bei deren einigen der Schluss fehlt, obgleich dieser für den ethisch-religiösen Geist des Judentums am meisten charakteristisch ist. Ich will, wie ich sie in meiner Kindheit gehört, kurz mitteil en: Zwei der Spielleidenschaft ergebene Talmudjünger (Bachurim) ziehen sich am Rüsttag des Jomkippur etwa eine Stunde vor Beginn des Kolnidre in einen Keller zurück. Eine Uhr gabs nicht; aber sie nehmen einen Stumpf eines Lichtes mit, der etwa noch eine Stunde dauert. So lange das Licht brennt, wollen sie spielen; dann werden sie zu rechter Zeit in Schul gehen können. — Aber der Satan treibt sein Spiel; der Lichtstrumpf brennt über 25 Stunden. Jetzt wollen sie in die Schul; aber die Leute strömen ihnen aus der Synagoge entgegen; Jomkippur ist eben vorüber. Sie sind verzweifelt; in ihrer Gewissensangst wenden sie sich an den Rabbiner, der noch in der Synagoge, ist: sie wollen büssen, er soll ihnen zur Sühne verhelfen. Darauf sagt ihnen der Rabbiner: ״Ihr und ich wir sind drei; wenn ihr unter den Männern, die fort wollen, noch sieben findet, welche hier bleiben wollen, dann werden wir als ein Minjan gleich wieder Kolnidre beginnen und den Jomkippur in allen Dingen bis morgen Abend fastend durchhalten; dann wird für euch dieser Jomkippur machapper [sühnend] sein.“ So geschah es. — Ich möchte nun fragen: Giebt es eine litterarische Quelle für diese Sage? Wenn diese weit bekannt ist, dann mag jemand sie gütig auch mir nennen; wenn nicht, dann mag er sie in diesen Blättern mitteilen. Meran (Tirol) Okt. 1900. Lazarus. 4) Aus meiner Jugendzeit ist mir nachstehendes Gedichtchen in der Erinnerung geblieben: ״Zu Papst Sixtus lobesam, Quintus, klug und milde, Kam nach Rom die Kunde einst Von der Kaufherrn Gilde, Dass gescheitert sei ein Schiff So auf Grund gerathen. Und der Schiffsherr fallen musst. Baruch Vanderstraten. Dieses Gedicht ist der Anfang eines auf die wahre Ursprungsgeschichte des Shakespeare’schen Dramas ״Der Kaufmann von Venedig“ bezughabenden grösseren Gedichtes. Vielleicht ist es möglich, durch einen Leser dieser Zeitschrift den übrigen Teil des Gedichtes und den Verfasser zu erfahren und so zur Klärung der aktuellen Frage beizutragen. Kaiserl. Rat Dr. Th. Lieben, Wien. 5) Z wei Umfragen. Im Anschluss an den Aufsatz des Herrn D1*. Landau bitten wir unsere geehrten Leser um Einsendung ihnen bekannter Rätsel. Nicht minder wichtig erscheint uns eine Zusammenstellung der jüdischen Speisezettel für die verschiedenen Feste und Gelegenheiten.

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