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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 1 (1901) Heft VII · p. Seite 92

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
1 (1901) Heft VII
Date
1901-01-01
Page
Seite 92 (sequence 93)
Language
German
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92 Wie in der Klage der Rachel, welche in einigen Stücken (293) den Beschluss des Ganzen bildet, hat Jerem. 31, 15 auch im jüdischen Volksschauspiel seine Stelle gefunden (unsere MitteiL III 35, auch bei Zangwill, die Kinder des Ghetto), worüber wir wohl demnächst ausführlicher werden berichten können. Gleich Frau Holle (99, vgl. unsere Mitteil. IV 146 V 7: Holekreisch) erscheint auch Lilith, die Kindermörderin, in der jüngeren Ueberlieferung mit einem Gefolge (Mitteil. II 79). Die מChristkindelkufeu (HO) und ähnliche Bräuche erinnern lebhaft an den Becher für Eiiah in der Sedernacht. Noch enger erscheint der Zusammenhang zwischen dem Ansingen in der Adventzeit und dem Purimansingeu, insbesondere dem Anfänge des Nickelliedes (Mitteil. d. Schles. Ges. f. Volkskunde 1897 S. 34): ״Holla, holla, ich kumme rei gefälla“ (vgl. Vogt 430 u. s.) und dem Purimlied unsere Mitt. III 11 E 1 — 2. Die Tabulae Fortunae (91, vgl. Jes. 65, 11) sind offenbar mit dem ״Lectus Fortunae“ (Nedar. 56, Sanh. 20 b, Levy, Siegel u. Gemmen 19, בטב גדא [statt des späteren מזל טוב] auf einem Verlobungsring XV. Jahrh. i. Bes. des Herrn Albert Wolf, Dresden) verwandt und wohl nicht ohne Beziehung zu dem Brauch am 15. Schebhat, der uns. Mitt. I 101 angeführt wird. Uebrigens kennt der Talmud (Ab. zara 8) die römischen Kalenden, aus denen, nach Tille, das Weihnachtsfest sich entwickelt hat. Ein Zusammenhang zwischen dem letzteren (am 25. Dez.) und dem jüd. Chanukka (am 25. Kislev) um die Wintersonnenwende ist, wenn auch die Siege der Makkabäer in der Kirche gefeiert wurden und der siebenarmige Leuchter daselbst durch die Arbores vertreten wird, bisher nicht nachgewiesen. Die ״Weihnachtsspiele“ bilden den 1. Band des Sammel- Werkes ,,Schlesiens volkstümliche Ueberlieferungen“. Sein reicher Inhalt lässt die rasche Nachfolge weiterer Bände als wünschenswert erscheinen. In demselben Verlage erscheint, ebenso geschmackvoll ausgestattet, eine Blütenlese aus den Werken deutscher Dialektdichter unter dem Titel ״Heimatklänge aus deutschen Gauen. Ausgewählt von Oskar Dähnhardt“. Das Buch ist der Pflege deutscher Mundart in Schule und Haus gewidmet, aber, als mustergiltige Sprachenkarte der deutschen Stämme, auch für den Forscher von Wert und jedenfalls eine willkommene Bereicherung unserer Geschenklitteratur. Neben dem Niederdeutschen, von dem uns ״Aus Marsch und Heide“ der erste Teil Proben bietet, sollen in einem zweiten die übrigen Mundarten zu Worte kommen.

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