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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 1 (1901) Heft VII · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
1 (1901) Heft VII
Date
1901-01-01
Page
Seite 46 (sequence 47)
Language
German
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46 nd. Charakter, wenn es auch an Berührungspunkten mit dem Nd, nicht mangelt. Die geschichtlichen Nachrichten über die erste Ansiedelung der Juden in Hamburg sind eher geeignet, die Frage nach ihrer Sprache zu verdunkeln, als sie zu erhellen. Nach Feilchenfeld, Die älteste Geschichte d. Juden in Hamburg (Monatschr. f. G. u. W. d. Jud. 43, 272) begannen sich die deutschen Juden nicht lange vor der Mitte der 17. Jh. in H. niederzulassen. Sie standen unter einer Art Oberhoheit der portugiesischen Judengemeinde und wurden amtlich als ״Diener der portugies. Nation“ oder ״Juden hochdeutscher Nation“ bezeichnet. Später begannen Juden aus Altona einzuwandern, die zum Teil aus den Stammlanden der Altonaer Landesherren, der Grafen von Schauenburg, an der Weser und deren Nachbargebieten stammten. Diesen gegenüber betrachteten sich die ״hochdeutschen Juden“ als privilegierte alte Hamburger und beschwerten sich schon im Jahre 1664 über die Einwanderung ausländischer ״Tedescos“ oder ״Polacos“. Die Bezeichnung ״hochdeutsch“ erklärt der von T. zitierte Harbleicher (Zwei Epochen a. d. Gesch. d. isr. Gemeinde in Hamb. 1867) daraus, dass die schon viel früher eingewanderten׳ portugies. Juden den plattdeutschen Dialekt angenommen hatten, während die deutschen ihre mitgebrachte Mundart beibehielten. Ob H. Zeugnisse dafür beibringt, dass die portugies. Juden schon damals plattdeutsch, und die ״hochdeutschen“ eine davon verschiedene Mundart gesprochen haben (für die spätere Zeit steht dies fest), giebt F. nicht an. Seltsam genug bliebe immerhin die Bezeichnung ״hochdeutsch“ für die ״Diener der portugies. Nation“, die nach Neddermayers von F. zitierter ״Topographie von Hamburg“ atis Ostfriesland eingewandert waren. Vielleicht sollte ״hoch' deutsch“ nur die deutschen Juden überhaupt nach ihrer früheren Heimat bezeichnen im Gegensatz zu den portugiesischen, die wohl aus Holland nach Hamburg gekommen waren. Wollte man das ״hochdeutsch“ auf die Sprache beziehen, so liesse es sich nur dahin auslegen, dass die Juden die dem nd. Wortschatz entnommenen Wörter dem hd. Vocal- und Consonanten- System gemäss aussprachen. So schreibt (und sprach wohl) G. weit und seit für wiet und siet, heuern für hüren, rauf für röof, haus leut für booslude, gezemt für getemt, Zollenspiker für Tollenspiker, verschleissen für verslieten, unvarwissen für unverweeten, brauchen für bruken (Arznei eingeben). Freilich finden wir daneben nd. Consonantismus in schmöken oder smöken schmauchen und dem eben erwähnten ZoUenspiker -Speicher. Ob sie hd. f oder nd. p, hd. sch oder nd. s im Anlaut gesprochen habe, lässt sich, wie schon früher bemerkt, wegen der Schreibung mit hebr, Buchstaben nicht erkennen.

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