Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Das Präfix ervor Verben, das jd. allgemein der-, darlautet, z. B. Grb. 52. 72. 82. 101. 149. 352. (ebenso wie obd. und md. seit dem 11. Jh. und heute obd. und in den Mundarten des östl. Mitteldeutschlands. Wh. § 302. Dialf. 116. Schm. 1, 532.) gebraucht G. nur in der Form ar- oder er-. Allerdings findet sich auch darbarmig 6, das Prät. sie darsaufen 44 und das äugenscheinlich entstellte bin ich דיפרייאיט (^erfreut) getvoren 70. Diese gegenüber der grossen Masse der ar- und erals vereinzelte Ausnahmen zn bezeichnenden Formen rühren ohne Zweifel von den Abschreibern her. Das Präfix zergebraucht G. wie allg. jd. in der md. Form zu- (nd. to־): zu schmetert 44x), zu reisen 285, zurisene 88, zu treten 328, zu kwetscht 326, zu kocht 131, zubrechen 105, 325. Mit Unrecht übersetzt daher K. an der letzten Stelle ״zusammenbrechen.“ Grb. 29. Wh. Dialf. 57. Lex. 3, 1060. Schm. 2, 1069. Die mit da(r)- zusammengesetzten Relativconjunctionen gebraucht G. ausschliesslich durch andere Wörter getrennt z. B , חורחינו הקדושה (unsere heilige Thora) dar mir als aus sehen, dar woraus, aus der; ein dorf, dar ist ein hipsch wertz haus in. Ebenso dar -an, -von, -bti, -fr—wovor, -mit, -auf, -um, -zu. Dagegen bleiben die mit wo(r) zusammengesetzten ungetrennt: wormit, -an, -zu, -manken worunter. Diese in mhd. Zeit übliche Trennung ist auch im 15. und 16. Jh. nicht selten und hat sich noch in der Volkssprache erhalten. Im Nd. ist sie noch heute Regel. MB. zeigt ebenfalls die Trennung wie G., hat jedoch immer da- und wo-, während G. die nd. Formen dar- und worhat. DWb. 2. 654 f. Franke § 167. Kehr. 3, 421. Vernaleken, Deutsche Syntax 2, 472 ff. Krüger § 14. Neben diesen zusammengesetzten Formen gebraucht G. auch sehr häufig die einfachen Praepositionen in adverbialer Function, so an, bei, für, in, mit, über, von, zu =daran, dabei u. s. w. z. B.: es ist uns nit wol bei gewesen 116. iver (wäre) vil von zu schreiben 122. Auch dieser Gebrauch ist seit ahd. Zeit bis zur Sprache der nhd. Klassiker zu belegen. Vgl. z. B. DWb unter: mit, 6, 2325 f. Ebenso nd. Mnd. Wb. 3, 50. Im estländ. Deutsch.: Sallmann Neue Beitr. z. deutsch. Mundart in Estland. Reval. 1880. S. 148. Flexion. Die Pluralendung -s haben bei G. Masculina auf •r: fartrs, Wärters Wärter, winers Wiener, burgers, kapers Kaper, balbirers קרוראטאריס neben קרעדיטאו־ין Creditoren, 300 ליפערש. Läufer, nicht J) Zusammengesetzte Wörter werden bei G., wie im Jd. überhaupt, in der Regel getrennt geschrieben.