Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Ga. schreibt ג(א)נש für ganz, G. גאנטץ. Ga. schreibt, wie allg. jd. אוועק ,אזו ,עפיש für etwas, so, weg, G. hat wie nhd. אסר ,עטווש und זוא, dagegen אין דרעק, das man einwelc oder wie mhd. enwec lesen kann. Wortbildung• Für die Bildung von Substantiven durch das Suffix -nis zeigt G. grosse Vorliebe, sie hat: gef (Anis Gefallen, geschichtnis Geschichte, retnus, -nis Rätsel, bescheidnis Auflösung eines Rätsels, vargeltnis, beschefnis Geschöpf, betript(e)nis, beschwernis, erschrekniSj tunis Thun, einJcomnis Einkommen. Das zweimal vorkommende אנזעהינש ist vielleicht ansehnis Ansehen (=Anschein) zu lesen. Im Jd. ist diese Bildung nicht so verbreitet. Obd. auf -nusse, -nisse, md. und nd. auf -nisse ausgehend, dient sie md, Dichtern zur Bezeichnung eines Seins oder einer Handlung. Am häufigsten wird sie von den theologischen und philosophischen Schriftstellern des 14. und 15. Jahrh. zum Ausdruck abstracter Begriffe gebraucht. Wh. § 268. Gr. 2, 326f. Kehr. 2, § 71. Die Bildung des Deminutivs zeigt eine Regelmässigkeit, die man bei G. anzutreffen gar nicht gewohnt ist Die Endung des Sing ist -chen, che, des Plur. -eher, das an den Plur. des Hauptworts angefügt wird, z. B. meischen Mäuschen, meilche(n), hirschchen, PI. lein der eher, Jcleidercher. Nur in יתומפיר Waisen, ist die Pluralendung an den Sg. des hebr. Wortes getreten. Um das Zusammenstossen des Gutturallauts mit dem ch zu vermeiden wird das Deminutivsuffix 1 eingeschoben in weglchen (23 ביבליר ist darum wohl als Schreib- oder Druckfehler statt btchlcher anzusehen). Das ist die den md. Mundarten eigene Deminutivbildung1). Gegen diesen md. Charakter können die wenigen Fälle, wo Deminutiva mit dem obd. 1־Suffix auftreten, nicht ins Treffen geführt werden. Beindel 131 gehört nicht G/s Sprache an, sondern kommt in einer entlehnten Erzählung vor. Meidet sagt nur die 86—87 redend eingeführte alte PoleJcin und das allerdings von G. selbst häufig gebrauchte bislchen kann gerade als Beweis dienen, dass die obd. Deminutivform bissei nicht als solche gefühlt wurde und erst die md. Endung -chen zu sich nehmen musste, um als Dem. aufgefasst zu werden, eniklich ist aus der älteren Sprache beibehalten, ebenso wie in der heutigen Frankfurter jd. Mundart, deren Dem. ganz mit dem G/s übereinstimmt. S. meine eben zitierte Abhandlung. Interessant ist es auch, den Namen der Verfasserin von diesem Gesichtspunkte zu betrachten. Eine Tante von ihr heisst x) S. mein: Deminutivum der galizisch-jüdischen Mundart. Deutsche Mundarten. Wien 1896. I, 56 ff.