Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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für ou nicht zahlreich. MB. hat immer אך auch, לאפן laufen, נלאבן glauben, לאג Lauge, טאגן taugen; לאב Leib, ich וואש weiss. Gr. hat nun eine ziemlich grosse Anzahl solcher a für altes ei und ou: *וואטצי Weizen, בראט breit, זאל Seil, ראזין Reisen,*) אם; (mhd. leim) Lehm, מייט und מאט, dem. מייטבין und מאטבי (mhd. meit) Magd, Mädchen, אדים und איידום Eidam, ורייך und וראך weich, und ebenso für mhd. öu לייקנין und לאקנץ läugnen, ביראבירין beräuchem, זאג אם Säugamme. Für mhd. ou hat G.: אך auch, לאג Lauge, אבין und אויגין Augen, פרא neben פרויא Frau, קאפין kaufen neben קויפמאן Kaufmann, לאפין und באם ,לויפן und באר האפטיג ,בוים barhäuptig. Für mhd 1 und ü findet sich bei G. kein א, für diese wird regelmässig, wie jd. überhaupt, ebenso wie für die mhd. ei und ou, die nicht zu a werden, יי und וי geschrieben. Aus alledem ziehe ich den Schluss, dass die jd. Schreibung im Gegensatz zur jd. Volkssprache die nhd. Diphthonge durchzuführen bestrebt war, dass aber die Nachahmung der nhd. Schreibung nicht vollständig gelang und unwillkürlich die wirklich gesprochenen Laute zum Durchbruch kamen. Dieses 4 für ahd ai, mhd. ei ist keine jd. Eigentümlichkeit, es findet sich in der Oberpfalz, (Brenner Munda. u. Schriftspr. in Baiern, 29. 31. Schm. 140, 143) am Mittelrhein (Kehr. Nhd. I, § 42 n. 2), fast in ganz Nassau (Kehr. Nass. I, 4, 7), in Kämthen (Lexer Kämt. Wb. XI), in den östl. rheinfränk. Ma. und selbst in Trier, im Erzgeb. u. in Schlesien (Weinh. Dialf. 28). Dieses auch in Iglau und im nordw. Tirol vorkommende 4 wird von Schatz (Mundart von Imst. 61) als echt bairisch aufgefasst, von Weinh. a. a. O. und Nagl (Zeitschr. f. österr. Volkskunde I, 34. Allg. Literaturbl. 1900, 88. Dtsche. Mundarten I, 158) als fränkischen Ursprungs. Ebenso verhält es sich mit dem 4 für ahd. mhd. ou. Es findet sich in der Rheinpfalz, in Ostfranken, in der Oberpfalz (Autenrieth, Pfälz. Idiotikon. Brenner a. a. 0. 29. Schm. § 171), am Mittelrhein (Kehr. Nhd. I, § 40, 2), in Nassau vom Rhein bis an den Westerwald (Kehr. Nass. 4, 8.), bei obd. Schriftstellern des 15 Jh. (Kehr. I, § 42), in den rheinfränk. Ma. in Trier, Altenbürg, im Vogtlande, Erzgeb. und in Schlesien (Wh. Dialf. 28). Die nach dem Untergange des alten Diphthongs ie zuerst im Md. üblich gewordene, heute veraltete Aussprache der Partikel ie als 1 oder i ist auch allgem. jd., so im MB. אי je, אידר jeder, אימנט jemand, im Frauenbüchlein (Grb. 265) iklich jeglich. Dieses K. erklärt in der Stelle S. 274: hab ich die grose mie (Mühe) un ראזין גם וצך מקום גין (Reisen und in der Stadt herumgehen) nit יותר (mehr) lernen aus sten: ״rasen laufen, sich abhetzen“!