Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Diese Neigung ist allgem. jd. und auch md., trotz der Abneigung des Md. gegen den Umlaut. Beispiele: erbeit, entwerten, geweschen Wh. § 21. 28. Kehr. I, § 50. Der sog. sch-Umlaut ist besonders alem. und rheinfränk. Wh. AG. § 12. 15. In der Rheinpfalz: äsch, fläschj wäsche? markt, schätte (Schatten), stärk (stark). Autenrieth Pfalz. Idiotikon. Auch im Siegerländischen (Humpert, Bonner Gymn. Progr. 1876 S. 7). In der nd. Elberfelder Mundart: fläschen, täschen, Wäsche u. dgl. (Schöne, Elberfelder Realsch. Progr. 1865 S. 8). Für a in Nebentonsilben steht bald י bald קאליטציאן: ו Collation, אפירענץ Apparenz, אין סוסי neben סומא in summa, מיטרון Matrone, עלזיש neben עלזוש Elsäss, פימיליא Familie, פוברילן Fabrik, קורפוטז Kapuze. Wie man sieht, fast nur in Fremdwörtern, über deren Aussprache und Schreibung G. offenbar im Unklaren war. Nimmt man die ו für Lese-, Schreib-, oder Druckfehler statt י, so könnte man die letzteren als einen Versuch G.’s auffassen, den unbestimmten und unvollkommen gebildeten Vokal der Nebensilben wiederzugeben. Als solche Fehler könnte man dann umgekehrt auch die י für 0 und u ansehen, wo G., wie die vorkommenden Doppelformen beweisen, vermutlich ו geschrieben hat, so פראטיקול und ריזילפירט, ,פראטאקלירט und פילמופיא ,ריזולפירט und ,פיליזופיא טריבינאל und אטעסטאטים ,טריבונאל und אטעסטאטום. Noch grössere lautliche Entstellungen zeigen Schreibungen wie אפזארפירט neben אפזורפירט und אופסערפירט observiert, אפאנטור Inventur, יוועלין Juwelen, סאלען Solon, אשטוריא Historia, אטיזאמענטין Indossamente. e wird in unbetonten Nebensilben, wie allg. jd., gar nicht geschrieben oder durch י ausgedrückt, was auf eine zwischen e und i in der Mitte liegende Aussprache des Lautes schliessen lässt. Dieselbe Schreibung i für e, der ein ähnlicher Lautwert entsprochen haben muss, ist eine der charakteristischen Eigentümlichkeiten aller md. Dialekte, insbesondere des mrh. bis ins 16. Jh. Vgl. Rückert, Geschichtl. Darst. der schles. Mundart im Mittelalter S. 34. e vor r wird zu a, wie allg. jd., auch nd. und md.: amstardam, beiarsdorf, herbarg neben herberg, פיניבארג Pinneberg, und in falscher Analogie harbarg für Harburg, als ob es Harberg hiesse. Ferner in den Präfixen ver-, er-, her z. B. yarsichert, varbar gen, (ארויף ,ארומר ,ארוזר ,אראפ(יר, herauf, herum, heraus, herab unter Abfall des h. Nach Analogie des herwird auch die Vorsilbe hinzu an- : anein, anauf, anaus u. s. w. Ob in den unaussprechlichen Formen 189 ,136 ,106 הניין ,87 הנויף ,86 הנאפ ,16 הגיבר ein י durch Unachtsamkeit der Schreiber oder bewusst, analog dem e wegen der eben vermuteten, zwischen i und e schwankenden Aussprache des Vokals ausgelassen wurde, oder etwa Schreiber oder Herausgeber das Kursiv א für ein ה angesehen haben, muss ich dahingestellt sein lassen.