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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 1 (1901) Heft VII · p. Seite 29

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
1 (1901) Heft VII
Date
1901-01-01
Page
Seite 29 (sequence 30)
Language
German
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29 Stellen dürfen wir nickt ausser Acht lassen, dass gerade solche, denen die Feder nicht ein vertrautes Werkzeug ist, sich im schriftliehen Ausdruck nicht so unbefangen geben zu dürfen glauben, wie im mündlichen Verkehr, sondern ihre natürliche Sprache in ein steifes und beengendes, mit geborgtem Schmuck verziertes Feiertagskleid zwängen. Wir haben also im günstigsten Falle nicht die Sprache zu erwarten, wie sie G. gesprochen hat, sondern wie sie von G. und den ihrigen geschrieben worden ist. Nach dieser langen aber notwendigen Einleitung wende ich mich endlich zu den Einzelheiten der Sprache. Vokalismus. Von den Schwierigkeiten, die sich der Erkenntnis des Laut- Standes entgegenstellen, ist bereits die Schreibung mit hbr. Buchstaben hervorgehoben worden, deren Nachteile besonders in der Wiedergabe der Vokale zutage treten. Von den Buchstaben דא י ,ע und ו, die zur Schreibung der Vokale zu Gebote stehen, wird das ע nur für e, und zwar nicht für alle, sondern nur für einen Teil der betonten e, also in verhältnismässig geringem Umfange gebraucht, es bleiben also zur Wiedergabe aller Vokale und Diphthonge nur drei Zeichen, die noch dazu in so unzweckmässiger und inkonsequenter Weise verwendet werden, dass, um ein Beispiel anzuführen, bei G. jeder nhd. Vokal und Diphthong, mit Ausnahme des i und ei, durch ו ausgedrückt werden kann, also: פימיליא Familie, פובריק Fabrik; ביזוש Böses, ציפורלי Zipperlein, אטום Atem; פוגיל Vogel, זו so, שון schon; מום Mut; פוליגין völligen, הוריטין hörten; מוםיי־ליך mütterlich, קוך Küche; זואי־ sauer, פיזונין Posaunen; רוכש däucht. Es wird aber nicht nur dasselbe Zeichen für verschiedene Laute gebraucht, sondern auch umgekehrt, wie ebenfalls bereits erwähnt, derselbe Laut verschieden bezeichnet, so dass man dicht nebeneinander denselben Laut in demselben Worte verschieden geschrieben finden kann. Wer sich in G. eingelesen hat, muss zuletzt, wrenn er in einem Worte dieselbe Schreibung konsequent durchgeführt findet, unwillkürlich stutzig werden und zu dem scheinbar paradoxen Schlüsse gelangen, dass da etw^as nicht richtig und es nur dem Zufall oder dem seltenen Vorkommen dieses Wortes zuzuschreiben sei, dass keine Belege für andere Schreibungen erscheinen. Wieviel von dieser Inkonsequenz der Verfasserin und wieviel ihren Abschreibern zur Last falle, lässt sich aus dem Abdruck nicht entscheiden, so viel lässt sich aber auch ohne Vergleichung der Handschriften erkennen, dass ein nicht geringer Teil auf Rechnung des Herausgebers zu setzen ist, der, wie es scheint, auf die Korrektur des Druckes gar keine Sorgfalt verwendet hat. Das

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