Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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28 hatte, und ihm die Sprache der Vorlage unwillkürlich in die Feder floss, so ist eine solche Einwirkung bei G. kaum erklärlich, wenn ihre Erinnerungen so entstanden sind wie sie angiebt. Wir können ihre Glaubwürdigkeit in dieser Hinsicht nur an der einen Erzählung prüfen, deren unmittelbare Quelle sicher ist, das ist die vom רופא und den sieben Kräutern, die ihm seine Leiden ertragen helfen, S. 9—13. Diese Erzählung steht im hebr. ]ספר יש נוהלי, das G., wie bereits erwähnt, auf teutsch vorgesagt worden sein soll. Wenn auch die Fassung dieser Episode bei G. breiter ist und sie manches aus eigenem hinzugefügt hat, (so ist das Gleichnis vom lebenden Hund und toten Löwen im Original nicht enthalten) so ist doch die Übereinstimmung mit der Quelle, insbesondere in der Reihenfolge der 7 Kräuter (die eben so viele Tugenden repräsentieren), ganz erstaunlich, selbst wenn man annimmt, dass ihr das Buch erst ganz kurz vor der Niederschrift ״vorgesagt“ worden sei. Ein so wunderbares Gedächtnis würde es dann allein dings möglich machen, dass sie das Gehörte und Gelesene nicht bloss dem Inhalte, sondern auch der Sprache nach getreu wiedergeben konnte. Gegen dieses Gedächtnis scheint wieder die Angabe zu sprechen* die erbauliche Betrachtung S. 264—267 stamme aus demselben Buche, da diese dort nicht zu finden ist. Doch möchte ich auf diese unrichtige Quellenangabe nicht allzuviel Gewicht legen, da seit dem Zeitpunkte, wo sie das Buch .kennen gelernt haben will, und der Niederschrift dieser Stelle mindestens ein Jahrzehnt verflössen sein muss, ein Zeitraum, der selbst beim besten Gedächtnis einen solchen Irrtum zu rechtfertigen hinreicht. Dafür, dass G. aus dem Gedächtnis zitiert, Hesse sich noch die Erzählung vom Philosophen auf dem Dache anführen, die zweimal, S. 21 f und S. 166, in verschiedenem Wortlaute vorkommt. Ein unauf klärbarer Widerspruch besteht endlich in dem Umstände, dass gerade in der Erzählung von Abdon, die sie aus dem Hbr übertragen haben will, nur ein einziges hbr. Wort vorkommt, was doch auf Entlehnung aus einer deutschen Quelle schliesseu lassen sollte. Man sieht, die Sache liegt nicht so einfach wie beim MB., und so lange nicht alle Quellen von G/s Erzählungen gefunden und verglichen sind, muss die Frage nach dem Grade ihrer Ein- Wirkung auf G.’s Schreibweise offen bleiben Dass wir aber mindestens dort, wo G. Erzählungen aus fremden Quellen einschaltet, oder sich in frommen und moralischen Betrachtungen ergeht, nicht ihre eigene alltägliche Sprache vor uns haben, das dürfte nach dem bisher Gesagten feststehen. Wir werden also ihre Sprache nur dort zu suchen haben, wo sie thatsächliches und selbsterlebtes berichtet. Aber auch an diesen