Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Schon Grb. ist es (S. 421 seiner Chrestomathie) aufgefallen, dass eine Erzählung des MB., welche aus einer nichtjüdischen Quelle geschöpft ist, kein einziges hebr. Wort enthalte,1) und ebenso linden wir bei G. im Gegensatz zu ihrer gewöhnlichen reich mit hbr. Wörtern durchsetzten Redeweise in der Erzählung von der Kaiserin Irene von Konstantinopel, (S. 94—97) kein einziges hbr. Wort, wenn wir von קיסרתי S. 94 absehen, wofür später immer heiserin steht, in der ganzen langen Geschichte von Abdon und Danila (S. 279—289) nur das eine Wort היות, in der von Krösus und Solon (S. 171—175־) hebr. Worte nur im ersten Drittel, in der vom Königssohn (S. 204—209) nur im Anfang das Wort מלך und am Ende הכם ,חכמות und אוהב. Auffallend sind ferner in der Erzählung von der Kaiserin Irene die endlosen schwülstigen und verworrenen Perioden, die an den Kanzleistil des 16. und 17. Jh. erinnern. Den Erzählungen vom Chasid und seiner klugen Frau, S. 39 — 57, yon R. Jochanan, S. 130—131, und vom Königssohn gemeinsam sind Wendungen, wie sie für die aus dem Hbr. übersetzten Schriften charakteristisch sind, z. B.: sie weinet ein weinung ein grose; sie weinten mit einander ein stim ein grose *, er erschrak ein grose erschreknis; das hind schrie ein hiter geschrei und jemerlich er schreit auf sie mit groser stim; und er höret der hönig; und er bekent der son; sie erschraken al die leut\ sie waren verschemt die diener al di ג red die dasigen] sie brachten den sak zu vor den kernig. In der ersten Erzählung begegnen wir auch den in solchen Ueber- Setzungen üblichen hbr. Satzanfängen: וישלה und er sendet . . ויאמר und er sagt der könig . . . Der jd. Litteratur eigentümliche Ausdrücke und Formen, die nur in diesen Erzählungen, aber sonst bei G. nicht Vorkommen, sind zu zahlreich, als dass sie hier aufgeführt werden könnten. Ich erwähne nur die Schreibung das für den Genitiv des Artikels, von der im ״Vokalismus“ noch die Rede sein wird. Von den 20 Fällen dieser Schreibung, die ich bei G. gezählt habe, kommen wohl nicht zufällig 18 in den eingeschalteten Erzählungen vor. Endlich unterscheiden sich die letzteren von G.’s Sprache, in der sonst nur umschriebene Perfekta üblich sind, durch das Vorkommen yon starken Perfektformen wie erschrak, ging, schrei, schrie, tet, ביפול befahl, und insbesondere durch die schwach gebildeten Perfekta und Partizipien starker Verba, die ebenso jd., namentlich zahlreich im MB., Vorkommen: weschte wusch, Heften, tauften liefen, warfet warf, nemeten, bleibten, fingten an, farte fuhr, besint besann, berateten, gepreist, verzeit verziehen, gelast gelassen. Können wir nun eine solche Beeinflussung durch die Sprache der Quelle beim MB. leicht begreifen, wo der Kompilator das deutsche Buch, aus dem er die Erzählung entnahm, wahrscheinlich vor sich ף Das von ihm als Ausnahme bezeichnete מלך זוז Ist■ in der Ausgabe Homburg 1727 durch könig sun ersetzt.