Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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25 slawischen Ländern, denn eine Vergleichung der heutigen Sprache mit der um mehr als 200 Jahre älteren G.’s würde selbstverständlich ein ganz schiefes Bild ergeben. Wenden wir uns nun zur Person der Verfasserin, so gibt uns ihre Lebensgeschichte nur geringen Aufschluss über die Faktoren, welche ihre Sprache beeinflusst haben können. Um 1645 in Hamburg geboren, hat sie, von einem einjährigen Aufenthalt in Hameln abgesehen, bis z. J. 1700 in Hamburg und von da bis zu ihrem 1719 erfolgten Tode in Metz gelebt. Die Niederschrift ihrer Erinnerungen fällt in die Zeit von 1691 bis 1715. Was ihre Erziehung betrifft, so sagt sie zwar S. 24, dass ihr Vater seine Kinder במילי דשמיא ובמילי דעלם, in himmlischen und weltlichen Dingen, habe unterrichten lassen. Die ersteren wurden ihr im Cheder beigebracht, das Mass ihrer profanen Kenntnisse allzu hoch anzuschlagen gibt uns ihr Werk keine Veranlassung. Wir erfahren von ihr, dass sie weniger gelernt hat, als es zu jener Zeit in anderen Familien geschah1), sie bedauert, nach Metz verheiratet, ihre Unkenntnis des Französischen, S. 299, und erzählt, dass eine aus der früheren Ehe der ersten Frau ihres Vaters stammende Tochter im Französischen und Klavierspiel unterrichtet wurde. Was sie weiss, verdankt sie wohl mehr der Praxis als Lehrern, da sie, noch nicht 14 Jahre alt, verheiratet wurde; so wird sie, wenn sie Holländisch verstand, wie aus dem S. 307 angeführten Sprichwort zu vermuten ist, die Kenntnis dieser Sprache, die der Hamburgerin ohnehin keine Schwierigkeiten machen konnte, durch den Geschäftsverkehr und ihre Reisen nach Holland erworben haben. Uebrigens bestand zu jener Zeit in Hamburg eine bedeutende holländische Kolonie. Schon die Wiedergabe des holl, g durch ch in chelt, cheben deutet darauf, dass sie die Sprache durch mündliche Uebung, nicht durch die Schrift kennen gelernt habe. Dass sie deutsch lesen und schreiben konnte, müssen wir nur aus dem Grunde annehmen, weil sonst für die ״weltlichen Kenntnisse״, die sie in der Jugend erworben haben will, nichts übrig bleiben würde. In ihrem Werke ist nichts, was zu einer solchen Annahme nötigen würde, es wäre denn der Gebrauch des h als Dehnungszeichen, das bei ihr häufiger als in der gleichzeitigen jd. Schreibung auftritt, und des tz, wofür sonst fast immer einfaches z erscheint. Ungleich bewanderter ist sie in den מילי דשסיא. In welchem Verhältnisse sie aber diese Kenntnisse den ursprünglichen hebräischen *) So eifert Hirsch Kaidenower in seinem Qab ha-ja§ar, Frankf. 1705י gegen die Unsitte, Kinder französisch, italienisch und andere fremde Sprachen lernen zu lassen, bevor sie noch recht beten können. Gödemann, Quellen- Schriften zur Geschichte d. Unterrichts u. d. Erziehung b. d. deutsch. Juden. Berlin 1891. S. 179 f,