Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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in unserem Falle für die Unterscheidung zwischen hd. und nd. Formen wichtige Frage, ob man p oder f, sch oder s vor sich hat, ist nicht zu entscheiden u. dgl. m., wovon später noch ausführlicher die Rede sein wird. Diese unzuverlässige Schreibung wird aber überdies noch sehr inkonsequent angewendet, so dass man in einem und demselben Werke demselben Worte in verschiedenen Schreibungen begegnet. Diesen Fehler teilen allerdings die jd. Drucke mit den deutschen des 16. und 17. Jahrhunderts, in denen eben solche Willkür herrscht. Umsoweniger darf man daher eine systematische und die Laute genau wiedergebende Schreibung roxx einer Frau aus jener Zeit erwarten, und am allerwenigsten eine bis auf die Details der Lautbezeichnung getreue Wiedergabe der "Vorlage von der Abschrift des Moses Hamei, die, wie wir bereits gesehen haben, ganz grobe und schon dem Laien auffallende Abweichungen von der Urschrift aufweist. Hiezu kommt noch, dass Moses Hamei bereits als Kind nach Frankfurt in die ,,Klaus“ gekommen und ungefähr sechszehnjährig nach Baiersdorf verheiratet, den grössten Teil seines Lebens fern von der nd. Heimat seiner Mutter verbracht hat In einer mundartlich ganz verschiedenen Gegend aufgewachsen, muss er die nd. Elemente der Hs. als fremd empfunden und bewusst oder unbewusst manches geändert haben, was ihm unverständlich oder sprachwidrig erschien. Man sieht, mit wTelcher Vorsicht wir bei dieser Unsicherheit der Ueberlieferung den Text zu benützen haben und es ist begreiflich, dass allen Schlussfolgerungen ein hypothetisches Element wird anhaften müssen, weil wir eben nicht die Hs. der Verfasserin vor uns haben. Am meisten sind natürlich gerade die für die Erkenntnis der Sprache so wichtigen feineren Einzelheiten der Laut- und Flexionsformen der Verderbnis ausgesetzt, deren geringfügige Unterschiede der Laie am ehesten vernachlässigen zu dürfen glaubt. Wir haben daher die verlässlichsten Aufschlüsse aus dem lexikalischen Teile zu erwarten, da der Wortschatz unter der mangelhaften Ueberlieferung verhältnismässig noch am wenigsten gelitten haben wird. Dazu kommt endlich noch ein Umstand, und nicht der unwichtigste. Eine Grammatik der Sprache Glückeis soll darlegen, worin sich diese von dem Jüdischdeutsch ihrer Zeit unterscheidet. Nun ist aber eine grammatische Darstellung des Jd. und besonders des älteren Jd. noch kaum versucht worden *), es fehlt also an ג) Man halte mir nicht etwa entgegen, dass ich selbst in meiner .,Bibliographie des Jüdisch - Deutschen“ (Deutsche Mundarten, Wien 1896. I 126 f.) ein Verzeichnis von über 6Ö grammatischen und lexikalischen Schriften gegeben habe. Diese Schriften habe ich nur auf den Wunsch des Herausgebers als Ergänzung zur ״Bibliographie der deutschen Mundartenforschung“ zusammengestellt, ohne sie damit als Hilfsmittel für das Studium empfehlen zu wollen.