Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Die Sprache der Memoiren Glückeis von Hameln. Als im Jahre 1896 ״die Memoiren der Glückei von Hameln“, herausgegeben von Prof. David Kaufmann, erschienen, mussten sie namentlich von allen, denen die Erforschung des Jüdischdeutschen am Herzen lag, auf das freudigste begrüsst werden. Ist schon die Herausgabe einer noch ungedruckten jüdischdeutschen Handschrift ein seltenes Ereignis, so hatte man es hier noch mit einem glückliehen Zusammentreffen für die Erkenntnis der Sprache wertvoller Umstände zu thun. Hier lag endlich ein Werk vor, das nach Ort und Zeit seiner Entstehung genau fixiert werden konnte, von dessen Verfasser nicht bloss der Name, sondern die ganze innere und äussere Lebensgeschichte bekannt war, während in der bisher bekannten jüdischd. Litteratur die Person des Verfassers eines Werkes, der Zeitpunkt der Abfassung, des ersten Erscheinens und dgl. meist in undurchdringliches Dunkel gehüllt sind. Der erste Eindruck, den man bei raschem Durchfliegen des Buches erhielt, war ganz danach angethan, in diesen hohen Er- Wartungen zu bestärken. Vor allem überraschte das Auftreten zahlreicher ausgesprochen niederdeutscher Elemente, eine in der jüdischd. Litteratur einzig dastehende Erscheinung. Eine eingehendere Beschäftigung mit dem Werke ergab jedoch nicht die erwarteten wertvollen Resultate. Der Grund hiervon liegt zum grossen Teile darin, dass der Herausgeber י־— dessen Verdienst, das bisher nur wenigen Auserwählten bekannte Werk an die Oeffentlichkeit gebracht zu haben, damit durchaus nicht verkleinert werden soll — bei der Herausgäbe zwei verschiedene Ziele im Auge hatte: die Memoiren Glückeis dem grossen Publikum lesbar und verständlich zu machen und zugleich eine Unterlage für die künftige Erforschung ihrer Sprache zu bieten. (S. X des Vorwortes.) Um dem letzteren Zwecke gerecht zu werden, wäre es notwendig gewesen, einen buchstabengetreuen Abdruck einer der beiden vorhandenen Handschriften zu geben und alle wenn auch scheinbar noch so unwesentlichen Abweichungen der zweiten Handschrift zu verzeichnen, um damit dem Sprachforscher die unmittelbare Anschauung der Handschriften nach Möglichkeit zu ersetzen. K. hat jedoch mit Rücksicht auf den grösseren Leserkreis ein anderes Verfahren eingeschlagen und seiner Ausgabe die Hm. Merzbacher in München gehörige Handschrift zu Grunde gelegt, zu deren Verbesserung die ״wesentlichen“ Varianten der zweiten, im Besitze des Hrn. Hecht in Frankfurt a. M. befindlichen Handschrift benutzt worden sind. Als ״wesentliche