Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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18 ist nicht so betrübend, dass die Glückei ihr Geld verlor, aber dass sie dadurch arm wurde, das ist traurig. Ihre Geschäfte und ihr Geschäft in Hamburg gingen also schlechter, sie fühlte, dass sie nicht mehr lange imstande sein werde, allen Anforderungen gerecht zu werden und wollte doch nicht gern ihren Kindern zur Last fallen. Da wurde ihr der Antrag gestellt, dem Witwer Hirz Levi, einem berühmtreichen ßanquier in Metz, die zweite Gattin zu werden und nach einigem Ueberlegen ״resolviert sie sich zu der Partie.“ Als sie nach Metz kommt, wird sie glänzend empfangen, der künftige Gatte sendet ihr einen Reiter entgegen, in einer Kutsche empfangen sie drei vornehme Frauen — unter ihnen die Rabbinerin und die reiche Verwandte Jachet Krumbach-Schwab — vor den Thoren und sie findet im Hause ihrer Tochter bis zur Hochzeit eine liebevolle Aufnahme. Trotz alledem ist Glückei traurig, bedrückt, sie fühlt sich fremd und haltlos in der neuen Umgebung und wenn sie das auch nicht direkt ausspricht, so zeigen doch einige ihrer Berichte die innere Verlassenheit, in der sie in diesen Tagen dahinlebte. So sitzt sie am Sonnabend Vormittag, als alle anderen im Gotteshaus sind, allein zu Hause, als ein paar artige Kinder kommen, die sie höflich willkommen heissen. Sie kennt ihre Besucher nicht und es ist niemand da, ihr die Namen zu nennen. Endlich fragt sie die Kinder selbst, von wem sie denn gesandt seien und die rufen voller Erstaunen: Wie, Ihr kennt uns nicht, Ihr sollt doch unsere Mutter werden! Und ein andermal berichtet sie, dass die vornehmsten Leute sie begrüssen kamen und sie nur traurig war, nicht französisch zu können, um Rede und Antwort zu stehen, aber ihr Gatte habe für sie gesprochen. Im Hause des Hirz Levi ist alles aufs glänzendste eingerichtet. Für Glückeis sparsamen Sinn wird da direkt Verschwendung getrieben, aber wenn sie das äussert, so lächelt man über sie und sagt, ihr Blümchen (die erste Gattin Hirz Levi’s) habe das so gewollt und eingerichtet und Glückei muss sich bescheiden und schweigen. Auch in ihrer Ehe ist sie nicht sehr glücklich, sie, die gewohnt war, ihrem Chajjim Beraterin und Gefährtin zu sein, weiss von Hirz Levi und seinen Sorgen und Wünschen fast nichts. In der Nacht hört sie ihn oft weinen und schluchzen und seufzen, und sie frägt ihn, ob er vielleicht einen geheimen Kummer habe, und als er das verneint, erkundigt sie sich bei ihrer Schwägerin, ob sich ihr Mann vielleicht um die erste Gattin gräme, aber auch diese Vermutung wird ihr ausgeredet. Dennoch lässt das nächtliehe Klagen und Weinen nicht nach und sie kränkt sich, unwissend und ratlos, einem solchen Leide gegenüberzustehen.