Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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15 schäfte, sie handelt mit Juwelen, mit Waren, hat sogar ein offenes Geschäft und ein andermal spricht sie von einer Strumpffabrik. Auch ihren Kindern geht es gut, sie sind tüchtige Geschäftsleute geworden, bis auf Löb, der ihr manche trübe Stunde bereitet. Ihr Sohn Josef, ein begabtes, lerneifriges Kind, vermählte sich mit der Tochter Meir Stadthagens und liess sich in Kopenhagen nieder. Von entscheidendem Einfluss auf Glückeis Leben wäre beinahe die Verbindung geworden, die ihr Sohn Samuel mit der Tochter Mose Wertheimers aus Bamberg einging. Glückei sollte nämlich damals nach Wien zu dem Onkel der Braut ziehen, dem berühmten Samson Wertheimer, der ihr bereits einen Pass versorgt und zwei Zimmer seiner Wohnung eingeräumt hatte. Glückei war auch bereit, des grossen ״Rischus“ wegen, das in Hamburg herrschte, diese Uebersiedelung vorzunehmen und versorgte sich mit reichlichen Mitteln, ihrem Sohn zuliebe aber gab sie den Plan auf. Blättert man diese letzten Seiten nochmals durch, so amüsiert man sich wieder über das merkwürdige Erlebnis Josef Hamelns in Lissa. Josef war, wie bereits erwähnt, lernbegierig und fleissig und Frau Glückei bemühte sich natürlich, ihrem Sohne eine möglichst umfassende, jüdische Bildung zu ermöglichen. Da erscheint eines Tages ein jüdischer Melammed aus Posen und fordert Frau Glückei auf, ihm das Kind anziivertrauen; in zwei Jahren will er einen tüchtigen Gelehrten aus ihm machen. Glückei geht darauf ein und Josef zieht mit seinem Lehrer nach Lissa, aber nach einiger Zeit, als Frau Glückei schon dem weisen Melammed einmal Geld gesendet, trifft ein seltsamer Brief des jungen Weisheitsbeflissenen ein. In rührenden Worten bittet er seine Mutter, ihm eine grössere Summe unverzüglich zu senden, da die Gemeinde Lissa, von einer fürchterlichen Schuldenlast bedrängt, den Plan gefasst habe, die deutschen Schüler den christliehen Gläubigern zu verpfänden. Sein braver Lehrer aber wolle ihn retten, die Mutter möge nur das nötige Geld dazu hergeben. Der Brief kommt Freitag Abend an; nach Ausgang des Sabbaths macht sich der älteste Sohn der Glückei auf den Weg nach Lissa, um seinem gefährdeten Bruder beizustehen, doch trifft er Josef bereits auf der Hälfte des Weges und erfahrt, dass jener von dem Schreiben gar nichts wisse, und nur weil er von seinem Melammed bestohlen worden, aus Lissa geflohen sei. Interessant ist auch die Erzählung, wie ein christliches Ehepaar und seine Magd, die einen Hamburger Juden ermordet haben, durch eine tapfere kluge Frau entdeckt und überführt werden. Dieses Ereignis, das die ganze Gemeinde in begreifliche Spannung und Aufregung versetzte und eine Gefahr für alle Juden bedeutete,