Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Schwiegereltern nach Hildesheim zu Besuch und verlebt drei schöne Wochen mit ihnen; ihre Tochter Zippor wird 12 Jahre alt mit Elia Cleve verlobt. Die Hochzeit fand in Cleve statt, der Kurprinz von Brandenburg und Fürst Moritz von Nassau wohnten ihr bei und mit ungewöhnlicher, niegesehener Pracht wurde sie gefeiert. Nach einer beschwerlichen und kostspieligen Rückreise beginnt in Hamburg wieder das gewohnte Leben, zuweilen sind es unangenehme Geschehnisse, ungünstige geschäftliche Verbindungen, wie mit Moses Helmstädt, die die häusliche Ruhe ein wenig beeinträchtigen, dann bringt wieder eine günstige Konstellation reichlieberen Gewinn. Alles in allem wird uns ein ruhiges behagliches arbeitsreiches Leben gezeichnet und die Zeit vergeht für Glückei und ihre Familie still, geräuschlos und fast unmerklich. Selbst die wenigen wirklich traurigen Ereignisse, von denen in diesem Buche berichtet wird, der Tod von Glückeis Vater und Schwiegervater, werfen keine ernsteren Schatten auf das Leben unserer Erzählerin. Bald wird aus der Trauer eine stille Wehmut und auch die wird verscheucht durch das Lärmen und Lachen der wachsenden Kinderschar. Noch drei ihrer Kinder verheiraten sich, die Tochter Channa mit ihrem Vetter Samuel, der Sohn Nathan mit Mirjam, der Waise Elia Bailins, eines reichen und angesehenen Mannes, und Mardochai mit der Tochter Mose b. Nathans. Eine andere ihrer Töchter, Esther, wird mit Moses Krumbach-Schwab verlobt. Aber in Glückeis Hause wird es deswegen nicht stiller. Immer neue kleine Ankömmlinge (Josef, Hendelchen, Samuel, Moses, Freudehen, Miriam) stellen immer neue Anforderungen an ihre mütterliche Sorgfalt und Liebe, mancherlei Mühe, aber auch viele Freude wird ihr zuteil und in ruhiger, vertrauensvoller Zufriedenheit lebt sie den Tag und hofft auf den kommenden. Und dieses friedliche Heim, diese glückliche Familie wird auf einmal von einem wirklichen, schweren unüberwindlichen Leide betroffen. Wie weisse Baumblüten beim Gewittersturm, so flattert alles Glück und aller Frohsinn mit einemmale aus Glückeis Hause. Chajjim Hameln stirbt. Sie nennt das folgende fünfte Buch ״das Buch der Klage14, sie findet erschütternde Worte in dem Jammer um ihren verlorenen Gatten, ״der Freude ihres Herzens, der Krone ihres Hauptes.11 Gliickel hat ihren Chajjim nach dreissigjähriger Ehe verloren, Hand in Hand gingen beide all diese Jahre hindurch ihren Lebensweg und haben kaum jemals an das Ende, an die Trennung gedacht. Und ganz plötzlich ist alles vorbei, ganz plötzlich steht sie an einem offenen Grabe und hat kaum Zeit, sich ihrem Schmerz hinzugeben, so viel ernst(' Arbeit, so viel neue Pflichten warten ihrer.