Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 1 (1901) Heft VII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Manne nach Hamburg, wo sie noch ein Jahr bei ihren Eltern wohnte, und dann eine eigene Wohnung für 50 Reichsthaler Miete ״heuerte״. Aus dieser ersten Hamburger Zeit erzählt Glückei manche heitere Episode: Wie sie und ihre Mutter zu gleicher Zeit ein kleines Töchterchen bekamen, wie beide in derselben Wohnstube lagen, wie einmal die Kinder verwechselt wurden und tausend andere Details, die uns das Leben der damaligen Zeit besser verdeutlichen als manche gelehrte Kulturgeschichte. Alle Ereignisse ihres kleinen Lebens sind ihr treu in Erinnerung geblieben, allen Menschen, die ihr begegneten, bewahrt sie ein herzliches Gedenken. Sie spricht von ihren Dienstleuten mit freundlicher Anerkennung und sie scheint ihnen eine teilnehmende, gute Herrin gewesen zu sein. Ihr Mann Chajjim Hameln war ein tüchtiger Geschäftsmann, der sich in die ungewohnten Hamburger Verhältnisse bald hinein fand. Glückei erzählt, dass er eigentlich nur mit Edelsteinen handelte, aber da damals die Mode der Goldketten herrschte, so begann Chajjim auch Gold aufzukaufen, umarbeiten zu lassen und mit reichlichem Gewinn zu verhandeln. Liebevoll gedenkt sie seiner trefflichen Eigenschaften und mit stolzer Freude erzählt sie, dass er nichts unternahm, ohne sich vorher mit ihr zu bereden oder zu beraten. Als ihr Töchterchen zwei Jahre alt war, wurde ihnen der erste Sohn geboren und die Freude der Eltern soll unbeschreiblich gewesen sein. Am Schlüsse dieses zweiten Buches posiert die gute Glückei wieder ein ganz klein wenig. Sie bittet nämlich um Entschuldigung, wenn sie etwa Dummheiten geschrieben hätte, aber im Inneren unseres Beifall gewiss, beendet sie dies Buch nur, um gleich frisch und fröhlich zur Feder zu greifen und im dritten Buche mit der Geschichte ihrer Erlebnisse fortzufahren. * * * Bei Beginn des dritten Buches ist die Glückei 25 Jahre; ihre Erinnerungen sind Legion, sie weiss kaum, was sie wählen soll aus der Fülle von Ereignissen und Bildern, die sich ihr zu* drängen; alles scheint wichtig, alles bedeutungsvoll und es ist zu bewundern, wie sie denüoch mit sicherem Instinkt eine gewisse Beschränkung walten lässt und mit ordnender Hand ihren Stoff gruppiert. Dieses dritte Buch ist die Geschichte der kleineren und grösseren täglichen Begebenheiten, die in ihrer Gesamtheit das Leben sind, das Leben, das wie ein gewebtes Bild bunt und färbenprächtig genug aussieht und dennoch nur aus armseligen kleinen Wollfäden besteht. Aber in diese Kleinigkeiten und Kleinlich-