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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1901-01-01 · 1 (1901) Heft VII · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1901
Issue
1 (1901) Heft VII
Date
1901-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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5 Tode ihres Mannes, der ihr ein treuer Hüter und Schützer war, und der ״um ihrer grossen Sünden willen“ von ihr genommen wurde, zum Schreiben ihre Zuflucht nahm. Und sie beginnt ihre Er־ Zahlung bei ihrer Geburt. Sie ist eine Hamburgerin, 1645 geboren und sie war über 45 Jahrer alt, als sie mit ihren Aufzeichnungen begann. Sie muss wohl schön oder doch mindestens hübsch gewesen sein, wenigstens sagt sie, dass sie ihrem Schöpfer dankt und lobt, der sie nach seinem Wohlgefallen geschaffen hat, und dieser Dank klingt so warm und herzlich, dass er nicht bloss ein religiöses Gebot zu erfüllen scheint. Es ging den Hamburger Juden nicht allzu gut damals. Als die Glückei etwas über 2 Jahre war, mussten alle Juden nach Altona auswandern und erst nach mancherlei Bemühungen und Bittgängen durften sie sich wieder in Hamburg niederlassen. Schliesslich litten die wohlhabenden Familien noch weniger, aber für die Armen, denen das Geld mangelte, einen Pass zu lösen und die deswegen oft heimlich in der Stadt verbheben, waren es recht traurige Zeiten. Glückel erzählt, dass ihre Eltern wohlthätig und freigebig waren und dass, wer hungrig das Haus betrat, es gesättigt verliess. Auch wäre — fährt sie fort — ihr Vater bedacht gewesen, seine Kinder, sowohl Söhne wie Töchter, nach Möglichkeit unterrichten zu lassen. Dennoch ist es nicht wahrscheinlich, dass die Glückei zu viel studiert hat, aber wenn auch nicht das Wissen selbst, so besass sie doch die grosse Achtung vor dem Wissen, die alle Juden auszeichnet. Wie aus einer alten, wunderschönen Chronik klingen die Berichte über den Krieg zwischen Schweden und Dänen. Die Glückei war noch recht klein zu dieser Zeit, so zehn Jahre, und hat nicht sehr viel gesehen, da sie ״den ganzen Tag in dem Cheder hat sitzen müssen“. Aber sie erinnert sich doch, welch ein strenger Winter damals herrschte 5 seit Menschengedenken war eine solche Kälte nicht dagewesen, und man nannte noch lange nachher diesen Winter den ״schwedischen“. Eines Nachts — sie wohnten damals noch in Altona — ertönte der Ruf: ״der Schwed kommt!“ Und ״nackigt“ sind sie aus den Betten gesprungen und in die Stadt (Hamburg) geflüchtet, alle die Männer, Frauen und Kinder, eng aneinander gedrückt, zitternd vor Furcht und Kälte. Dann erzählte sie wieder köstlich naiv und amüsant von der Hamburger Khille. Der Angesehenste, d. h. der reichste Mann war Chajjim Fürst ״ein Mann von 10000 Reichsthalern“. Der Vater der Glückei stand in der gesellschaftlichen Wertschätzung einen Grad tiefer, er besass bloss 8000 Reichsthaler, dafür zeichnetei^ ihn eine Menge vortrefflicher Eigenschaften aus, er war weltklug und gottvertrauend, fleissig und geschäftstüchtig, und wenn ihn nicht das Zipperlein geplagt hätte, so würde er noch viel mehr

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