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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 132

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 132 (sequence 37)
Language
German
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צ13 Hebbel, Mosenthal u. s. w. bis auf Lauff und Sudermann1) erscheint jedesmal in einem Lichte, welches den Charakter des Dichters wie den seiner Umgebung von einer bestimmten Seite beleuchtet. Am urwüchsigsten muss sich natürlich die Volksfigur ״der Jude“ in dem derben Realismus des eigentlichen Volksschauspiels dar- ״Türkische Litteraturdem derben Realismus des stellen. Eine Probe davon bietet uns die geschichte in Einzeldarstellungen von Dr. Georg Jacob, Heft I, Mayer & Müller, Berlin 1900“. In diesem 1. Heft behandelt der Verf, mit erschöpfender Gründlichkeit an der Hand zahlreicher an Ort und Stelle gesammelter Belege das türkische Schattentheater. Ähnlich unserem Kasperletheater und den Schattenspielen der Inder wird überall, wo das türkische Element sich vertreten findet, in Tunis und Tripolis, früher auch in Algier, wie in Konstantinopel und Athen während des Ramasan ein Puppentheater aufgeschlagen. Das eigentliche Theater besteht aus einer spanischen Wand, die einen mit Leinwand überspannten viereckigen Ausschnitt aufweist. Hinter diesem wird eine Olivenöllampe angezündet, und hinter der Lampe sitzend bewegt der Künstler die aus Kamelleder oder im Notfälle aus Papier geschnittenen Figuren, die er mit einem Stäbchen gegen die Leinwand drückt. Zur Darstellung gelangen Szenen aus dem Strassenleben; der Araber, der Grieche, Armenier, Franke, Laze und — der Jude, jeder spricht seine Mundart2), jeder singt sein ihm auch sonst * , W&m geläufiges Liedchen. Für die einzelnen ray Personen sind Typen im Gebrauch, wie Sr wir den des Juden in der nebenan stehen־ den Abbildung erkennen, die wir der Güte des Herrn Dr. Jacob verdanken. In dem dem Hefte in Übersetzung beigefügten ״Kajyk“־ Spiel tritt der Jude auf, ein Türkü singend, und wendet sich an den Bootsmann Karagöz und dessen Geschäftsgenossen Hagievad, die beiden Hauptpersonen in diesen Stücken. ,,Jude: Matijelata tu matijalata tu, Nenu nenu nenu Dane kuizu! l) Ebenso reich wäre die Ausbeute aus der Roman litteratur: aus Walter Scott, G-. Elliot, Heine, Freytag, Reuter, E. Sue, Dumas d. J., Erckmann — Chatrian, Droste-Hülshoff, Kompert, Sacher — Masoch u. s. w. (Vgl. Frankel’s Monatsschrift 1863 S. 81, 121. Dreyfus Abr., le juif au thdatre [Rev. d. Stüdes juives] XHI p. XLIX ff. S. Bloch’s L’Univers 1899 und Mabon Ch. 13., the jew in english poetry and drama in Jew. Quart. Review April 1899.) *) Vgl. über Judensprachen: Andree R., Zur Volkskunde der Juden 102 ff., über Judenpersisch ZDMG LI 669 ff.

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