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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 120

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 120 (sequence 25)
Language
German
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120 da fürchten sie sich vor dem Wurf und laufen weg, als wenn der leibhafte Satanas hinter ihnen her wäre. Schau mal, Schlome, da kommt grad dem Wirt sein Hund Stöpsl, auch so ein miserables Bist.‘1 Michel hob einen Stein gegen das Tier, und. der Hund lief eiligst davon. ״Siehste, Schlome, so musst Du’s machen, steck nur einen Stein in die Taschen und geh morgen fein ruhig nach Wudau zu. Deinen Kunden!“ Die beiden Männer trennten sich, und der Hausierer sprach: ״Dass der posek gar nix helfen 8011, kann ich nit glaben, ef§er (vielleicht) hab ich nur nit recht den nign /Tonfall) gemacht, aber boru^ hagem (gelobt sei Gott)! jetzt kann ich auf e jedem Fall nach Wuda gehen, jetzt hab ich e posek und e Stein.“ 26?. wer ist der grössere narr, Meisel oder kohol (der Gemeinde Vorstand)? *) Mardokhai Meisel war der grösste Wohlthäter seiner Vatergemeinde Prag. Er baute das Hospital, das Rathaus, die Hochsynagoge und den monumentalen Prachtbau, die nach ihm benannte Meiseisynagoge, aüf seine Kosten. Nachdem er das letztgenannte herrliche Gotteshaus der Gemeinde als ihr Eigentum übergeben hatte, war er bei der Einweihung desselben erschienen und frug bescheiden, welchen Sitz man ihm bestimmt habe, worauf ihm die verblüffende Antwort wurde, wenn er einen Sitz in der Synagoge haben wolle, müsse er sich einen mieten. Meisel war über dieses Begehren in höchstem Grade entrüstet und rief: ״Ich habe kohol die ganze Schul, deren Bau mich viele Hunderttausende gekostet hat, geschenkt, und man will mir in .dieser nicht einmal einen Sitz einräumen?“ Hierauf erwiderten die Vorsteher gelassen: ״Ihr habt die Schul der Gemeinde geschenkt, wir aber haben nicht das Recht, einem so reichen Manne, wie Ihr es seid, irgend etwas zu schenken.“ Der Streit erregte in der ganzen Gemeinde grosses Aufsehen, jedermann urteilte darüber, und ein alter Mann sprach das geflügelte Wort: ,.Wer ist der grössere Narr: Meisel oder, kohol? Meisei, der der Gemeinde Hunderttausende schenkt und sich wegen ein paar Gulden herumstreitet, oder kohol, das von Meisel viele Hunderttau8ende zum Geschenk empfing und sich mit ihm eines lächerlich kleinen Betrages willen verfeindet!? “ 268. sandar und pandar — eine kapore (zu schänden) mit einandar! 2) Während des österreichischen Erbfolgekrieges waren die Franzosen in Böhmen eingefallen und hatten fürchterlich gehaust.s) Hierbei hatte sich das Regiment Gensd’armes in unrühmlichster Weise ausgezeichnet. In einer böhmischen Landstadt war dieses Regiment beim Herannahen der Trenkschen Panduren geflohen, und diese waren von der Einwohnerschaft als Retter und Befreier mit freudiger Begeisterung aufgenommen worden. Aber der grosse Jubel währte nicht lange, denn die Panduren raubten und plünderten ebenso wie die Franzosen, und man dankte Gott, als die zuchtlose Truppe die Stadt verliess. Ein Fremder, der kurz darauf durch das Städtchen reiste und dem eine alte Frau von den überstandenen Leiden erzählte, frug sie, welche von den beiden Truppengattungen sich denn doch etwas besser benommen hätte, worauf die Befragte nach kurzem Bedenken erwiderte: ״Der Schandar (Gensd’armes) und der Pandar (Pandur) e kapore mit einandar!“ l) Vgl. Kisch, Das Testament Mard. Meysels 14. ף Vgl. Mitteil. 1 S 35 Nr. 12. :}) Vgl. Kaufmann, Burmania 4. Kohut, Gesch. d. deutschen Juden 658

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