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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 119

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 119 (sequence 24)
Language
German
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119 Sprichwörter und Redensarten. Forts, von Mitteil. IV, S. 143. Herausgegeben nach Aufzeichnungen der unten Genannten. Ans Böhmen. Von S. Kohn, Prag. 266. ich habe einen posek (Schriftvers) und einen stein*) (anlalog dem deutschen ״Zwei Eisen im Feuer haben“, so viel wie: zur Erreichung eines Zweckes zwei Mittel besitzen). Ein armer Landjude in Deutschböhmen klagte seinem Nachbarn in der Synagoge, dass in dem Dorfe Wudau. in welchem seine besten Kunden wohnten, ein riesiger Hund herumlaufe, der ihn stets anfalle, beisse, ihm die Kleider zerreisse, so dass er den Besuch dieses Dorfes schon aufgegeben hätte, wenn ihm nicht der Gewinn, den er dort erziele, zur Erhaltung seiner zahlreichen Familie unentbehrlich wäre. Schliesslich frug er den Freund, den er in seiner eigenen Unwissenheit für einen Gelehrten und ein grosses Lumen hielt, ob er ihm nicht ein Mittel gegen die Angriffe des bösen Hundes angeben könne, worauf der Freund geschmeichelt erwiderte, er wäre mit seiner Anfrage an den richtigen Mann gekommen, er könne ihm nämlich ein probates Mittel gegen den Angriff böser Köter angeben. Bei der Annäherung eines solchen habe er nichts anderes zu thun, als laut und vernehmlich den pasuk Exod. Kap. 11 V 7 (Gegen alle Kinder Israels wird kein Hund seine Zunge spitzen) zu sprechen, und das Tier würde sofort schreckerfüllt, so schnell als es seine zitternden Füsse gestatteten, davoneilen. Der brave Hausierer fühlte sich überglücklich und bat den Freund, er möge sein Rettungswerk noch dadurch krönen, dass er ihm den ״posek“, der seinem Gedächtnis entschlüpfen könne, aufschriebe, eine Bitte, die ihm huldreichst gewährt wurde. Am nächsten Tage schritt Schlome, so hiess der Hausierer, wohlgemut in das bisher für ihn gefährliche Dorf, und als der böse Hund in gewohnterWeise unter wütendem Kampfgebell auf ihn zulief, zog er den posek aus der Tasche und las ihn dem Hunde vor, aber das unvernünftige Tier sprang auf ihn, warf ihn zu Boden, zerriss seine Kleider, biss ihn und es bedurfte grosser Anstrengungen seitens der ihm zu Hilfe eilenden Dorfleute, ihn dem Hunde zu entreissen. Der Hausierer ging, aus mehreren Wunden blutend, mit zerrissenem Gewände zu jedem Geschäfte unfähig, in sein Beimatsdorf zurück. Auf dem Wege dahin begegnete ihm sein bester Freund, der Bauer Michel, mit dem er einst gleichzeitig in die Dorfschule gegangen war. Als dieser den Genossen im jämmerlichsten Zustande sah, frug er ihn teilnehmend, was ihm zugestossen sei, worauf der Hausierer seine Leidensgeschichte erzählte und nicht verschwieg, dass sich der posek unwirksam erwiesen und er sich nun endgiltig entschlossen habe, den Besuch des Dorfes Wudau ganz aufzugeben, obwohl er nicht wisse, wie er dann seine zahlreiche Familie werde ernähren können, und dabei begann der arme Mann bitterlich zu schluchzen. Aber der gutherzige Michel, ein ungebildeter, aber mit gesundem Menschenverstand begabter Bauer, tröstete ihn und sprach : ״Schlome, wein nöat, Du bist fein der grösste Heuochs auf der ganzen runden Welt, ein Bibelvers is jo fein ganz schön, wir Christen halten die Bibel auch heilig, aber weisst, Schlome! man dörf ihn nöat zu gemeine irdische Dings missbrauchen. Ich werd’ Dir ein besseres Mittel sagen, die Hund sein fein komische Tiere, vor einem aufgehobenen Stock, vor einem Schlog fürchten sie sich nöat, aber wenn man einen Stein gegen sie auf hebt. J) Var.: e posuk und e stekn.

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