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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 118

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 118 (sequence 23)
Language
German
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118 laugen, Flügel und es entstehen aus ihnen Fliegen. (Maimonides spricht Hilkot ma’akalot ,asurot IJ, 24 von ״der fliegenden Ameise, die im Wasser aufwächst״, was schon sein Kritiker Abraham ben David zurükweist.) Sie verlassen alsdann ihren Hügel und fliegen hin und her. Die Geschlechtslosen sind die Arbeiter, sie brüten auch die Eier der Weibchen aus. Ein einziges Weibchen legt im Sommer 8000 Eier. Die Ameisen sammeln im Sommer ihre Nahrung, allerhand Körner1)? und bergen sie eine, oft zwei Ellen tief in der Erde. Sie haben drei Wohnlöeher, im mittelsten liegt ihr Vorrat, um vor Fäulnis geschützt zu sein (s. oben y, I, 3). Sie essen jedoch im Winter nichts davon, da sie zu den Winterschläfern zählen. Nur in den warmen Ländern schlafen sie nicht2), da nähren sie sich während der Regenszeit von ihrem Vorrat. Die Ameise ruht weder tags noch nachts, ausser zur Brutzeit. Man vertreibt sie durch ein Bündel Ysop (Minze, Dosten) oder durch Schwefelstaub. (Heut gebraucht man andere Mittel.) IV. In folkloristischer Hinsicht wurde, wie wir gesehen haben, in talmud. Zeit die Ameise für das Sprichwort ausgebeutet. 1. Das Wort Jebamot 118b hat sich auch später in Babylonien erhalten. Es heisst darüber in den Responsen der Gaonim (zumeist aus dem X.—XI. Jahrh., herausg. von Harkavy in: Studien und Mitteilungen, Berlin 1886, f. 13) § 33: ,.Dieses Sprichwort, welches in Babylonien in aller Munde ist, will sagen: die Frau hat am Manne Wohlgefallen, er mag gering oder angesehen sein, und die Frau will mehr geheiratet werden, als der Mann heiraten will. Man hat dafür vier Sprichwörter (mesalim). . . . Der Sinn jener Talmudstelle ist: Mag der Mann einer Frau auch eine Ameise sein, so geniesst sie doch Achtung unter ihren Freundinnen, und sie bieten ihr einen Stuhl an, wenn sie zu ihnen kommt2 .״ Wie in der Provence das Wort ״Ameise״ für jemanden gebraucht wurde, der mehr sammelt, als er verbrauchen kann, so wird heute noch das Wort qamtsan (vgl. qamtsa ״Ameise״, s. Kohut, Aruch kompl. s. v. qemats) im Volksmund für ״Geizhals״ gebraucht. Als solcher gilt die Ameise z. B. oben d, 1, 5. ף Die Ameise nimmt auch Fleischnahrung zu sich. 2) Nach Munk-Levy Palästina 63 schläft die Ameise nicht den ganzen. Winter, sondern sie ist schon im Jannar wieder thätig.

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