Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 2 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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116 schlagen, wodurch (nach dem Dioskorides) Fäulnis entstehen könnte, 3) sobald Feuchtigkeit in ihr Loch eindringt, schafft sie sogleich ihren Vorrat hinaus und bringt ihn trocken wieder herein. Prov. 30, 25 will besagen, dass der Weise, wenn noch so über^ legen, sich in seinen Augen klein dünken und sich in seinen Forschungen auf bestimmte Ziele beschränken soll. Die Ameise vermag Lasten zu tragen, vielfach so schwer als ihr eigenes Gewicht1), und trotzdem beschränkt sie sich darauf, nur das ihr Nötige und Nützliche, und dieses zur rechten Zeit, sorgsam zu sammeln. 2) Josua ben So eb (13.—14. Jahrh.) ein Schüler des Salome ibn Aderet, schreibt in seinen Derasot zu Öofetim (bei H. Löwenstein, Die Proverbien Salomos, Frkf. 1837 zu Prov. 6, 6, vgL Zunz, Gottesd. Vortr., 2. Aufl., 297): An der Ameise sehen wir,, wie Gott selbst dem kleinsten Tierchen Klugheit gegeben. Es ist diese Klugheit eine magische Kraft (segulla), wie sie auch den Steinen und Kräutern innewohnt. Es ist nicht ein den Tieren eigener Verstand, sondern es sind Funken der höchsten Seele (nesama ha־celjona ־, d. i. des aktuellen Geistes (sekel ha-po'el => vovc Troirjrixoc), welche Gott ihnen eingiebt, um die Menschen zu belehren. So bauen sich die Ameisen drei Stockwerke, benutzen aber, um ihre Vorräte vor Feuchtigkeit zu schützen, nur das mittlere als Kornkammer. Sie spüren den Kegen vorher. Das Wort: (Betrachte) ״ihre Wege“ weist darauf hin, dass die Ameise mit leichter Last geradeaus, sonst rückwärts geht: Sie lehrt uns: erst sammeln, dann ordnen! 3) Isak Arama erinnert in seiner *Aqedat Jitschaq, Pforte 28 (Warschau 1883) II f. 207b, wie Josef Albo mit Hinweis auf Prov. 6, 6 daran, dass der Mensch, trotzdem alles durch Gottes Vorsehung und Weltordnung geregelt ist, seinen Unterhalt doch nur durch emsige Thätigkeit finden kann. Pforte 71 (V f. 231) weist darauf hin, dass andere Wesen, obwohl ihnen eines der vier aristotelischen Prinzipien (Arist Phys. II, 7. Metaph. I, 3) abgeht, so z. B. der klugen Ameise die Seele (sldog), doch in ihrer Art Vollkommenheit erlangen. So soll der Mensch, in dessen Bildung sich alle 4 Prinzipien vereinigen, in seiner Art, als £coov Xoyixov, eben durch die Wissenschaft seine, die geistige Vollkommenheit erstreben. C. Der talmudische Satz vom Verzehren einer Ameise Makkot 16b (s. oben y, II, 4) wird in die Gesetzessammlungen (z. B. 1. Simeons aus Kahira, Halakot gedolot (Warschau 1874, p. 262a, vgl. Halakot pesuqot §61 [ed. J. Müller, Krakau 1893, p. 37]) aufgenommen. 2. Im Sulchan *arukh jore de‘a Kap. 84 § 12 heisst 0 So auch Bi’ur zu Prov. 30, 25.