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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 115

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 115 (sequence 20)
Language
German
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115 Erubin 100b (s. oben ךץ I, 7) zur Betrachtung der in den Tieren zu tage tretenden Weisheit auf. Pforte V fin. (Fürstenthal 186% Stern 287) ermahnt er mit Hinweis auf Prov. 6, 6, unsere Angelegenheiten, die ohnehin der Grösse des Schöpfers gegenüber so unbedeutend erscheinen, durch Unordnung nicht noch verächtlicher zu machen. (Stern 1. c.: ״Auch hat der Weise [Salomo] denjenigen gerühmt, der hinsichtlich seines rüstigen, frommen Strebens für die Angelegenheiten seines Daseinszweckes sich auf entgegengesetzte Weise benimmt, und empfahl uns, ihn zu beobachten und von seinem Wirken zu lernen, und wäre es auch das schwächste der Insekten, wie es heisst: ״Gehe zur Ameise hin, du Fauler!“ u s. w.) 2. Als Teleologe betrachtet Maimonides (12. Jahrh.) in seiner Einleitung zu Seder Zera'im (ed. Sulzbach 89d, Wien [1843] 90c) die Ameise: Es ist in der Beschränktheit unseres Geistes begründet, dass wir nicht immer den Zweck der einzelnen Schöpfung Gottes anzugeben wissen, wie z. B. den Zweck der Erscheinung, dass die Ameise bald geflügelt, bald ohne Flügel ist. 3. Josef Albo (13 —14. Jahrh.) leitet in seinen Tqqarim III, 1, Warschau 1877, S. 199 gleichfalls, wie Bachja, aus der Stelle Erubin 100b die Pflicht ab, die Tiere zu beobachten, aber zu dem Zweck, ihre Vorzüge in sich zu vereinigen. Die Geschöpfe selbst erheben, wie der Pereq sira es so sinnig darstellt, ihre Stimme, um, ein jedes in seiner Art, den Menschen auf seine Pflicht hinzuweisen, so der Himmel, so die Hunde, so die Ameise u. s. w., wobei dieser, abweichend von unserem Texte des Pereq sira, der hierin dem Hahn zugeteilte Vers Psalm 136, 25 in den Mund gelegt wird: ״Du giebst Brot jedem Geschöpfe; denn ewig währet Deine Gnade.“ Die Ameise lehrt uns, wie Gott jedem Geschöpfe sein Brot giebt, wenn es die ihm von Gott verliehenen Mittel, sich das Brot zu suchen, fleissig gebraucht, nicht unthätig auf Gottes Segen hofft und nicht durch unehrliche Mittel sich bereichert. Gerade die Ameise bietet das schönste Beispiel der Ehrlichkeit, indem keine Ameise ein Körnchen sich aneignen wird, wenn sie ihm anriecht, dass es einer anderen gehört. Deshalb heisst es Prov. 6, 6 usw. B. b) Unter den Bibelkommentatoren behandelt uuseren Gegenstand ausführlicher l)Levi ben Gerson (13. bis 14. Jahrh.) in seinem Kommentar zu Prov. 6, 6 und 30, 25 Im Anschluss an das naturwissenschaftliche Werk seines Vaters (s. unten <f, UI, 1) rühmt er an der Ameise: 1) wenn sie ihr Loch in einer Wand hat, und ihr der Aufstieg mit ihrer Last zu schwer fällt, weiss sie den passenden Umweg zu finden, 2) sie frisst aus den aufgespeicherten Körnchen den Samen heraus, damit sie nicht aus-

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