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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 114

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 114 (sequence 19)
Language
German
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114 drum brauche ich im Winter mich nicht zu sorgen.״ — Die Wespe sprach: ״In den sonnigen Tagen, — wenn unter der Garben Last schwankte der Wagen, — ersann ich die herrlichsten Melodeien, — die Herzen der Menschen zu erfreuen. — Auch aus meinem Herzen schwand Kummer und Leid, — denn im Liede lag meine Seligkeit. — Gar mancher fand da meine Stimme schön, — und nun lässt man mich elend zu gründe geh’n. — Die bitt’re Armut und Frost und Eis — ich fürder nicht zu ertragen weiss.״ — Die Ameise meinte: ״In Speise und Trank — fordere doch jetzt von den Freunden den Dank! — Du versorgtest sie im Sommer mit lieblichen Weisen; — wie konntest Du selbst Dich versorgen mit Trank und Speisen! — Wenn Deines Geistes Flügel sich zedernhoch schwingen — und Deiner Kehle sich Perlen entringen, — so geh’ doch hin vor die Häuser der Reichen, — vielleicht lässt sich einer das Herz erweichen — und wird Dir eine Gabe zu reichen geruhen, — doch mich lasse in Frieden. Ich habe zu thun — Ja, ohne Säumen entferne Dich, — Du störst nur in meiner Wirtschaft mich. — Ich bin zu arm, Dich zu beschenken, — anderswohin musst Du Deine Schritte lenken. — Wenn auch mein Haushalt geordnet ist, — klug ist nur, wer der Klugheit Früchte selber geniesst. — Erhoffst Du Dir Unterhalt von Deinen Liedern, — wenn die Kälte Dich peinigt in allen Gliedern, — umhüir Dich in Lumpen, wärm" Dich am Kummer! — Des Träumers Lohn ist — Todesschlummer.״ — Und der Geschichte Moral: Den faulen Wicht,.— wenn er betteln kommt, erhöre nicht! — Denn wer müssig geht in der Ernte Tagen, — der ist, als würde er Blutschuld tragen. — Darum, mein Sohn, verachte den Tand! — Tummle Dich hurtig durch Stadt und Land, — auf dass einst, wenn die Zeit der Ernte entschwand, — Du weder um Nahrung besorgt bist, noch um Gewand. — Denn das ist fürwahr ein elender Wicht, — der Hände, Mund und Zahn hat und braucht sie nicht. II. Die religiöse Erörterung des Themas ״Ameise״ scheidet sich noch schärfer als in der talmudischen Literatur in dem späteren Schrifttum in eine religionsphilosophische und eine religionsgesetzliche Behandlung. Doch findet sich die Ameise zunächst in rein religiös-erbaulichem Zusammenhänge. A. Sie ist im Pereq sira (vgl. Zunz, Gottesd. Vorträge, 2. Aufl. S. 295 fin.) vertreten mit Prov. 6, 6. B. a) Unter den Religionsphilosophen ist es 1. zunächst der Spanier Bachja ibn Paquda (11. Jahrh.), der in seinem arabisch geschriebenen, unter dem hebräischen Titel Chobot ha־lebabot (,.Herzenspflichten“) bekannten Werke auch von der Ameise handelt. Pforte II Abschnitt 2 fin. (ed. Fürstenthal f. 55a, ed, Stern S. 92) fordert B. mit Berufung auf die Talmudstelle

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