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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 111

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 111 (sequence 16)
Language
German
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111 singen — und emporzubringen im Preise — die Ameise, — sie, die gering an Rang, — zu verherrlichen durch Deinen Gesang. ־״ — Der Jüngere versetzte: ״Das heisst, dem Schwachen setzen einen Sessel! — oder glaubst Dü, Libanon’s Cedern werden sich entsetzen vor Distel und Nessel? — wie leer ist doch Dein Be־ gehr! — und wie unschwer — die Lösung Deiner Mähr! — So schenke meinen Worten denn Gehör!“ — Und er begann und sprach: ״Die staubgeborene Ameise, — angehörig dem Sklavenkreise, — ist sie doch gerüstet auf Heldenweise, — sich zu verschaffen ihre Speise. — Ihrer schmalen und schmächtigen Hüften wegen — vermag sie rasch sich zu bewegen — und ist zu sehen auf allen Wegen. — Schwarz ist ihre Haut, — doch niedlich gebaut — ist ihr Leib, — obgleich sie nicht geboren ist von einem Menschenweib. — In schwarzer Tracht — entsteigt sie dem finstern Schacht. — noch ehe des Frührots Pracht bewältigt den Schatten der Nacht, — und bevor noch die Thore werden aufgemacht — Sie treibt sich umher auf allen Pfaden und Wegen, — auf allen Steigen und Stegen, — bald ist sie da, bald ist sie dort, — bald an diesem, bald an jenem Ort. — In des Winters Tagen — wird man vergeblich nach ihr fragen; erst wenn herannaht des Sommers Behagen, — pflegt sie sich auf freien Pfad hinaus zu wagen, — um für ihren Magen — Beute zu erjagen. — Nicht will sie lang' im Hause weilen, — viel lieber mag sie auseilen, — um ihren Schritt zu lenken — hinan zu Berges-Spitz’, — oder ihn zu senken — hinab in Thales-Ritz. — Sie arbeitet mit Hast, — ohne Rast, — ist fleissig im Schaffen, — ohne zu erschlaffen, sie strebt unablässig — und ist nicht lässig, — auf Erwerb auszugehn, — um ihr Haus mit Nahrung zu versehen. — Sie ist klein und hager und schleppt dennoch zusammen ein grosses Lager; sie reisst und beisst ab Aehren von den Feldern - - und verwahrt sie in Behältern, — die sie in der Erde ausgräbt, — worin sie ihren Vorrat aufhebt.— Stets weiss sie mit scharfem Blick und Geschick den reichsten Schatzort zu wählen, — abends kehrt sie in’s Haus zurück, — doch morgens wird sie auf dem Platz dort nicht fehlen. — Vor des Frostes Schrecken — weiss sie sich zu verstecken — und ist sie da nicht zu entdecken; — doch sobald der Wärme Fittige sie wecken, — und sie fängt an zu schmecken — Sommergefühl, — eilt sie im Gewühl — der Nachbarsleute — aus auf Getreidebeute. — Und naht heran die Erntezeit, — und ist die Weinlese nicht mehr weit: — so rüstet sie sich nach Gebühr, verlässt ihr Winter-Quartier — und eilt zu der Tenne Thür, — giebt den Arbeitern das Geleite, — hält sich an der Schnitter Seite, — um Aehren zu erhaschen — und von den Garben zu naschen. — Da läuft, streift und schweift sie umher, die arme, — gleichsam

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