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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 2 (1900) · p. Seite 110

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 110 (sequence 15)
Language
German
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110 öich Häuser, teilen Zimmer und Boden ab, führen Wände auf, ziehen gewundene Wege, füllen ihre Schatzkammern ־mit den Körnern der Pflanzen zur Nahrung für den Winter, bauen ihre Häuser in sich senkender Form, einer Rinne ähnlich, damit das Regenwasser abfliesse. Ereignet es sich aber, dass ein Teil ihrer Nahrung nass wird, so tragen sie diese hinaus und breiten sie aut dem Felde (zum Trocknen) aus, legen aber die zur Nahrung dienenden Körner in Zimmer, die nach oben zugebogen •sind, um sie vor dem Regenwasser zu schützen. Auch zerschneiden sie die Weizenkörner, schälen die Gerste, die Bohnen und Linsen ab; denn sie wissen, dass sie alsdann nicht keimen. Sähest du nur, wie sehr sie sich Tag und Nacht abmühen, sich im Sommer ihre Nahrung herbeizuschaffen und ihre Häuser zu befestigen, so viel einzusammeln, als sie zum Leben bedürfen und ihre Vorräte zu verbergen! Sie suchen auf verschiedenen Wegen, an dem einen Tage auf der rechten Seite des Landes, an dem anderen auf der linken Seite. Sie bewegen sich, als ob sie gehende und kommende Karawanen wären, und wenn eine von ihnen auf dem Wege, den sie wandelt, irgend etwas findet, das sie wegen ihrer zu schweren Last nicht zu tragen vermag, hilft ihr eine Genossin. Sähest du ferner, wie jede einzelne von ihnen auf dem Wege dahinzieht, von welchem die erste gekommen, und wie sie sich da ferner um das versammeln, was von ihnen zurückgelassen worden, wie sie es dann Zusammentragen und sorgsam darauf achten Wenn sie aber wahrnehmen, dass die eine im Einsammeln zu faul ist, so fallen sie über sie her, töten sie und legen sie draussen hin, damit sie den anderen zur Warnung diene Wenn du, Herr und König, dies alles erwägen wolltest, so würdest du erkennen, dass sie Einsicht und Vernunft, Unterscheidungs- und Prüfungsvermögen besitzen, ganz wie es beim Menschen der Fall ist und wessen können sich demnach jene uns gegenüber rühmen?“ 4. Im Allgemeinen unabhängig von dieser didaktischen Tendenz, doch gerade da, wo von der Ameise gehandelt wird, moralisch wirksam ist der den berühmten Makamen des Hariri nachgebildete ״Tachkemoni“ des Spaniers Juda Alcharifi (12.—13.. Jahrhundert). Darin findet sich (Kämpf, Nichtandalusische Poesie andalusischer Dichter, Prag 1858 [danach bei Winter und Wünsche, Die jüdische Literatur, Band III. S. 182 ff.] S. 19 ff.) eine Makame von Ameise und Floh1). Ein Alter und ein Junger (Vater und Sohn) streiten um den Sangespreis. Vor dem Richter ruft der Alte: ״Dir wird es nicht gelingen. — zu meiner Höh’ Dich aufzuschwingen, — es sei denn, dass Du vermagst zu be- ף Vgl. Grötzinger, Reallex. d. deutschen Altert, s. v. ״Flohgedichte“.

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