Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 2 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2642950-2642957-2642959--0575-2643506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
107 Getreidehaufen, der bereits ״verzehntet“ worden, ein Loch, in dem Ameisen übernachtet hatten, so gehörte das darin Vorgefundene Getreide fraglos gu dem Haufen (Ma‘asörot V fin.). 3. Die Ameise unterschied man dadurch von der Heuschrecke, dass letztere von oben, jene von unten den Halm anfrisst (Menachot 7P> und Pe?a 2, 7). 4. Dieser von der Ameise angerichtete Feldschaden gilt als so bedeutend, dass die Vertilgung eines Ameisenhaufens sogar in den Mittelfeiertagen gestattet wird. Man holt einen anderen Ameisenhäufen aus einer Entfernung von mehr als einer Meile — denn bei geringerer Entfernung kennen sich die Ameisen gegenseitig und halten Frieden — und mischt beide Haufen durcheinander. Dadurch entsteht zwischen beiden Parteien ein erbitterter Kampf, in dem sie alle zugrunde gehen (Mo‘ed qatan 6b). IV. a) Offenbar unter dem Eindruck dieser Beobachtung und andererseits der Sammelgier der Ameise ist ihr eine mythischsymbolische Bedeutung1) beigemessen worden. 1. Daher die Geschichte vom Streite zwischen Qamtsa und Barqamtsa (Gittin 55b), hinter denen wohl mit Recht Ananias und sein Sohn Ele‘azar vermutet werden (Zipser in Ben Chananja 1866) 2. Als Og, König von Basan, einen Felsen von 3 Parasangen Umfang auf seinen Kopf gestellt hatte, um das ganze Lager Israels damit auf ein Mal zu vernichten, liess Gott den Felsen von Termiten durchlöchern und Ogs Kopf geriet dadurch bis in den Hals in die gelockerte Masse (Berakot 54b, vgl. Sulchan'arukh Orach chajjim 218, 1). b) ln weiterem folklori stischem Gebrauch finden wir die Ameise 1) als Vergleichsobjekt in dem Sprichwort2) Jebamot 118b (= Ketubbot 75a, Dukes, Rabbinische Blumenlese, Leipzig 1844, 5. 147): ״Ist der Mann auch nur so *gross wie eine Ameise, so setzt sich die Frau dennoch zwischen die Vornehmen hin44, 2) in der Redensart ״Auszügler aus Aegypten44, worunter man die Ameisenhäufen verstanden zu haben scheint (Nedarim 24 b), und 3) als Spielzeug der Kinder (Jebamot 121b). V. Teilweise ebendahin gehört die medizinische Verwendung der Ameise. 1. So heilte man ein Loch im Membrum, indem man eine grosse (wahrscheinlich, da deren abgerissener Kopf thatsächlich fortbeisst, rote Wald-) Ameise mit dem Kopfe in das Loch steckt, und, sowie dieser sich festgebissen hat, den Leib abreisst. Je weiter nun der Kopf sich festkrampft und alsdann verfault, desto leichter schliesst sich das Fleisch zusammen (Jebamot 76 a). ף Die mytholog. Bedeutung der Ameise (s. Nork F., Andeutungen eines Systems der Mythologie, Leipz. 1850, S. 174) ist z. T. auf die Beobachtung zurückzuführen, dass die Ameise ihre Toten begräbt, ein Zug, welcher in der jiid. Sage am Raben betont wird (vgl. Jalqut Beresit 37). 2) So auch z. B. in J. Tawjew, Kinderwonne (Verlag Tuschija, Warschau 1896, p. 234 (Chamisso, das Riesenspielzeug).