Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 1 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
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36 sprich darüber den Ps. 7 bis zu Ende. Alsdann sprich: ,Jirmi[’e]l El Hi’el Höchster, wende die Feinde von mir ab, wie du die Feinde Abrahams, unseres Vaters, Friede ihm! abgewandt hast, der einen Namen gegen seine Feinde zitirt hat, so wende meine Feinde von mir ab‘. Alsdann wirst du Wunder erleben, sogleich werden sie hinter dir umkehren. Nur hüte dich, dass du dies immer das ganze Jahr lang nach dem Gebete fAlenu sagst. [Vgl. § 11.] 57 HD). Sich unsichtbar zu machen. Gegen Räuber, dass sie dich nicht sehen, und wenn sie dich sehen, [du ihnen] wie zahlreiches Volk [erscheinest]: man bilde mit der Hand die Form שד״י und spreche die Formel נ״ס Dט״ס £״, deren Anfangsbuchstaben das Wort י טמן [verbergen] bilden Hierauf sage man Ps. 91, 12 u. 13 her und לשכמל׳ו und denke dabei ,אהיה אשר אהיה bewahre mich vor allen Räubern von nun an bis in Ewigkeit. Amen‘. 58 (DJ. Oder: Wenn du dich unsichtbar machen oder im Traume Dämonen sehen willst, ohne dass sie dir einen Schaden zufügen können, gehe an den Fluss da, wo das Wasser hervor־ sprudelt, und nimm von da drei glatte Steine, lege sie in ein neues Gefäss und giesse darüber geschöpftes Wasser. Dies lasse neun Tage stehen. Alsdann nimm die Steine, packe sie in Leingerichtet, also offenbar nicht für das menschliche Auge bestimmt (vgl. Wuttke a. a. 0. 650). Dasselbe gilt von den Runen (—raunen) und von den Diptychen, welche (den Memorbüchern der Synagoge vergleichbar) die Namen der Bischöfe oder Aebte und der Wohlthäter der Kirche enthielten und während der Fürbitte auf dem Altäre lagen (vgl. Wattenbach, D. Schriftwesen im MA 59). 57) Gegen Räuber vgl. M. 1898 S. 363. — Erst seit den Gaonen wird in jüd. Kreisen die Kunst, sich unsichtbar zu machen, geübt und von ersteren nicht abgewiesen (Joel II 12, 37). Der Gaon Hai erklärt dies sowie die Fähigkeit, durch ein Wort Räuber an ihre Stelle festzubannen, für leeres Geschwätz. Dem wird entgegengehalten, dass jemand mit gewissen auf Olivenblätt er geschriebenen Worten solches thatsächlich vermocht, dass man mit einem neuen Scherben, in’s Meer geworfen, den Sturm besänftigen könne, dass jemand an einem Freitage, um den Sabbat nicht zu verletzen (vgl. das poln. Sprichwort: Jellinek, Der jüd. Stamm in nichtjüd. Sprichw. II 38), mit Hilfe mystischer Namen eine Strecke von vielen Tagereisen zurückgelegt habe, und dass in Frankr. verbreitet sei, Mar Natronai sei einst, um Tora zu lehren, aus Babylonien durch myst. Wegsprung (קפיצת הדרך) hin und wieder zurückgekommen, ohne dass ihn jemand unterwegs gesehen hätte. Eine ähnliche Legende erzählen sich die Juden im bad. Schwarzwald. 58) Die zwei in einander geschobenen Dreiecke, das Zeichen der Pythagoräer (Schwartz 219), wurden als Drudenfuss, der von den Dämonen angeblieh herrührenden Gänsef'üsse (nach jüd. Anschauung waren es Hühnerfüsse [Gittin 68b, vgl. die Dämonen Anh. I No. 5]) wegen, zum Schutz gegen Behexung an die Thür (Grimm M. XCIII) oder an die Wiege (das. C) gezeichnet. Als wunderkräftig galten sie bes. bei den Ophianern (Sprengel II 207) u. bei Alexander von Tralles (das. 297ו. Wir finden sie ira Signalement des Steines der Weisen und im Zeichen der Freimaurer als ״Schild Dawids“ oder ״Salomos“ im jüd. Kultus. Ein talm. Rezept, Dämonen zu sehen: Berakh. 6a (Brecher 52, Blau 53, vgl. St. Ps. 55).