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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 1 (1900) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
1 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 glauben hat, wie es echt deutsches Geistesgut ist, welches hier oft nur lose die jüdische Maske vorhält, nicht selten sie gänzlich verschmäht hat1). Wie die Sprache der deutschen Juden, wie ihre Märchen und Sagen, Sitten und Bräuche, so erweist sich auch ihr Volksglaube als kerndeutsch. Wer als Kind am heimischen Herd dem deutschen Märchen andächtig gelauscht, wer vom Hollekreisch‘2), vom Bärmuttersegen und Froschkönig (s. unt. § 109) von der Frau Venus (Perles-Grätz 25) sein Heil erhofft, wer mit Runen und Drudenfuss die Geister bannt und nicht nur mit den Lippen, sondern im innersten Herzenswinkel da, wo die Gespensterfurcht und der Geisterglaube ihr lichtscheues Dasein fristen, wer sieh so eins weiss mit dem deutschen Nachbarn, dessen Glauben sollten wir eher als Beispiel deutschen Volksglaubens betrachten. Und doch liegt hierin auch ein Stück jüdischer Kulturgeschichte vor, weniger in dem, was aus dem deutschen Volksglauben entlehnt ist; denn gar oft sind die Gegenstände dieses Glaubens nichts als Scheidemünze, als Tauschobjekte im geistigen Verkehr der beiden Kulturen, auf deren Prägung man nicht weiter achtet. Vor allem zeigt sich hier jüdische Eigenart vielmehr in dem, was der jüdische Volksglaube ablehnt, zumal wo bei sonst peinlicher Genauigkeit der Entlehnung die Ablehnung doppelt bedeutsam erscheint. Und an# apologetische Tendenzen ist bei diesen streng geheimgehaltenen Überlieferungen gewiss nicht zu denken. Dies erstreckt sich selbst auf ein Gebiet, auf dem nicht religiöse oder ethische, sondern einzig und allein wissenschaftliche Rücksichten gelten, auf die Heilkunde. Bekanntlich findet diese Kunst seit den ältesten Zeiten gerade unter den Juden tune 1111 Verhältnis- ') Wenn trotzdem gerade die Juden von jeher im Gemein* der Zauberei standen (Iuvenal Sat. VI. 543, Josephus (Ant. VIII 2, 5. XVIII 3, 5. August, de civ. Dei VI, 11 [vgl. Soldan 39], Sachsenspiegel [das. 205|, Verfolgung der Aussätzigen seit 1321 [das. 229], Synagoge des Teufels [das. 249), Hexen zu Ofen c. 1421 mit einem Jude 11 hut [266], Hexensabbat [283. vgl. 314, 446, in Vened. kamen Juden nicht vor die Inquisition, das. 516, vgl. Kopp, Palaeographia III 65 u. 85], so ist dies wohl einesteils auf ihr geschäftiges Wesen, in dem nach dem Worte Goethes (Sprüche in Prosa VII) ״Energie dm* Granu von allem,“ und durch welches, vereint mit Sparsamkeit und Enthaltsamkeit, sie Wunder tliaten. Andrerseits wurden gerade sie von verheerenden Seuchen am wenigsten berührt, sie waren tüchtige Ärzte (Soldan 114), und, wo fast aller Zwischenhandel in ihren Händen lag, mögen sh? auch nach dt־m Vorbilde anderer den Vertrieb von Amuleten besorgt haben. Nicht besser erging es den Kelten, welche auch ihrer Rührigkeit wegen in den Augen der Eroberer zu geheimnisvollen Wesen, zu Kobolden, wurden. ־) Vgl. die Haule-Männchen (Grimm, Märchen III 24). Die Anfrage Mitt. IV S. 146 veranlasste von verschiedenen Seiten die Mitteilung der Volksetymologie: ä haut la creche ״Hoch die Krippe (Wiege)!“, was jedoch darum nicht auf elsäss. Ursprung hinweist.

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