Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 1 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 bestimmen kann, ist der Hauptanteil des Judentums am Volksglauben der Juden. Festigung und Ausbildung erfuhr dieser Glaube dadurch, dass er von jenen Mystikern der gaonäisehen Zeit aufgenommen wurde, welche unter dem Einfluss des Islamsl) und der Qaräer auf der Anthropomorphismendeutung einzelner Agadisten ihre Theosophie und Kosmogonie aufbauten. Die Ehrfurcht vor dem hohen Alter, welches man irrtümlich diesen Schriften nachrühmte, hindert selbst einen Saadja, bei aller Polemik gegen den Volksglauben, gegen dieses sein Schrifttum sich zu wenden. So pflanzen sich diese Gedanken, bereichert durch die Astrologie־) der Araber3), von der sich selbst der sonst so klare Abraham ihn Ezra, in diesem Punkte ein Widerpart Fischarts, umgarnen lässt, bis auf Main!uni fort. Hier beginnt eine neue Epoche in der Entwicklung des jüdischen Volksglaubens. Gerade die Schärfe und Gründlichkeit, mit welcher Maimuni das Judentum gegen jede Beimengung abergläubischer Vorstellungen verwahrt, forderte einen Rückschlag heraus, der unter der Fahne einer allgemeinen Gegnerschaft gegen Maimunis Lehren und ver* stärkt durch längst im Judentume heimische platonische L) und neuplatonische Ideen zu dem sich gestaltete, was wir mit dem Namen Qabbala5) bezeichnen. In den qabbalistischen Theoremen hat die Praxis des Volksglaubens eine neue Stütze gefunden. So sehen wir die hervorragendsten und noch für die Gegenwart massgebenden Geister, die sonst sich auf Maimuni berufen, in Fragen des Volksglaubens von ihm ab weichen, so einen Nachmani und seinen Schüler Salomo ibn Adereth, so einen Jakob ben Ascher und Josef Karo. Gerade das sechzehnte und die beiden folgenden Jahrhunderte bilden nun den Höhepunkt in der Entwicklung der Qabbala. Die Vertreibung der Juden von der pyrenäischen Halbinsel, dem Hauptherde der Qabbala, und die sich anschliessenden Wänderungen und Verfolgungen gaben der Mystik neuen Nährstoff, die ״ (בGematria“ auch bei den Arabern: ZDMG 28 S. 632. Serap. 1864 S. 176 2) Uber den Glauben an die prophetische Natur der Kometen bei den Juden (fata inclinant, sed non necessitant, vgl. hingegen Sabb. 15 b: אין מזל לי־צדאר): Joseph, bell. jud. VI, V, 3. Maury 181 l. Schindler 235. צ) Über Beziehungen zur Magie der Araber s. Epstein. Rech, sur le sei'er Yecira p. 6. II2. 4) Der berühmte Qabbalist Abr. Abulalia soll Plato eifrig studirt haben. Beziehungen finden sich zwischen dem Symposion und dem Zohar (vgl. Landauer im ״Orient“ 1845, 1849 S. 182 u. RHK 11). Über אכא ברא ורוהא im Zohar s. RHK 15 u. Mitt. III S. 22. 5) Das Wort kommt schon in diesem Sinne i. J. 1045 in Spanien, seit dem 13. Jahrhundert in Deutschland vor. Vgl, Landauer in Orient. Ltbl. 1845 S. 195. Epstein A., Jiid. Altert, in Speier S. 41. — Über Qabbala — Amuler s. M 1897 S. 185 ff.