Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1900
- Issue
- 1 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 sehen bei allen gebildeten Glaubensgenossen hat er es denn auch verstanden, den Kern des Judentums gegen jede abergläubische Wucherung zu sichern 1). Dies hindert freilich nicht, dass an der Peripherie auch das Judentum dem landläufigen Volksglauben, wie von jeher, so auch in dem behandelten Zeiträume seinen Tribut gezollt hat. Da in Fällen höchster Gefahr, wo jedes Gesetz schweigt und jede Zuflucht willkommen wird, immer wieder die dunklen Künste der Mantik und Magie in ihre Rechte treten konnten, hatte bereits der Pentateuch sich mit den schärfsten Waffen, wie gegen dieses Unwesen, so vor allem gegen seine Vertreter gewandt. Wie hier, so wird auch von den Propheten jenem Gelichter, welches jeder verachten mochte, ohne es darum in der Not zu verschmähen, mit den sittlich Verworfensten auf eine Stufe gestellt 2). Dafür, dass trotz alledem der Volksglaube auch in Israel nicht leer ausging, liefert die Schrift selbst genügend Belege. Eine Wandlung zeigt sich in der nachbiblischen Zeit insofern, als man sich selbst in den Kreisen der Gesetzeslehrer mit dem Volksglauben abzufinden sucht 3). Man erkennt die Kraft des Zaubers an und unterscheidet, wie bereits die Chaldäer 4), die Meister aller Zauberkünste, und, ähnlich wie die Kirchenväter, eine schwarze und eine weisse Magie, das Wunder und den Zauber. Das erstere unter Umständen zu gestatten, wurde die Schrift nicht allein zitiert, sondern man zitierte sie selbst in Ausübung der Wunderkuren. In der That schien die Bibel selbst einen Anhalt für solchen Missbrauch zu bieten. Es war die Engellehre, welche unter dem Einfluss des Parsismus eine weitere Ausbildung erfahren und sich wie von selbst durch die Lehre von den Dämonen ergänzt hatte, es war ferner der Glaube, dass die Sprache, in welcher Gott die Dinge benannt und ins Dasein gerufen, als Mittel zu Schöpfungen und Einwirkungen auf die naturgemässe Ordnung sich anwenden lasse3), dass vor allem der geheimnisvolle Name Gottes selbst die mächtigste Zauberkraft in sich berge. Diese Lehre von den Engeln und Dämonen, die man mittels ihrer Namen sich dienstbar macht, wie man durch die verschiedenen Namen der Gottheit diese selbst ף Vgl. Finkeischerer J., Mose Maimunis Stellung zum Aberglauben und zur Mystik. Breslau 1894. ‘2! Vgl. Ex. 22, 17 ff. Lev. 20. 27. Dt. 18, 10 ff. Mal. 5, 8. 3) Vgl. Wiesner, Scholien z. bab. Talmud II 148. 4) Eine Niederlassung weissagender Chaldäer, welche seit etwa 200 a. nach dem Westen, besonders nach Rom, als Zauberer zogen, am pers. Golf bestand bis in die Tage des Islams (Wuttke, Gesch. der Schrift 676). 5) So auch die christliche Anschauung: Schindler 98, vgl. 97. Schon die Akkader kannten ״den höchsten Namen“ (Soldan 19).