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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1900-01-01 · 1 (1900) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1900
Issue
1 (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fahren. Keplers eigene Mutter entging mit knapper Not der Ilexenverbrenuung. Gleichviel ob durch jene berüchtigte Bulle des ״Octo Nocens44 hervorgerufen und durch den Selbsterhaltimgstrieb der Inquisitoren künstlich genährt oder allein aus dem Wahn des Volkes geboren, ist und bleibt dieses Henkertum an unschul digen, hilflosen Wesen, welches auf deutscher Erde wenigstens offiziell zwei Jahre nach dem Erscheinen der Kritik der reinen Vernunft sein Ende gefunden, ein unauslöschlicher Makel auf dein Ehrenschilde der Menschheit. Nicht nur die Machthaber in Staat und Kirche 1), wie Paul III., der einen Zauberkünstler zum Bischof erhebt und dem Kaiser mit Teufelsbeschwörung droht 2), wie ja einst Sylvester IL der Teufelsfreundschaft offen bezichtigt worden, wie Rudolf II., der ganz sich den Künsten hingiebt, die dem zweiten Maximilian ein frühes Ende bereitet hatten, sondern auch die führenden Geister der neuen Bewegung sehen wir in jenem Wahn befangen, über den heute jedes Kind lächelt: einen Luther, der mit dem Teufel sich schlägt und Wechselbälge ihm auf Rechnung setzt, einen Fischart, der Astrologie und Prognostikon als ,,betrugdicke Pruchnastikatz” geisselt, einen Leibnitz, der in seiner Schrift: De methodo diseendae doeendaeque jurisprudentiae p. I § 9 von einer infusio divina et diabolica ..einem göttlichen und einem teuflischen Einflüsse*־ spricht. Selbst Uhr. Thomasius, der erste, der mit Erfolg gegen die Seheusslichkeiten des Hexenwahnes auftritt, glaubt auch (״Vom Laster der Zauberei44), ״dass Hexen und Zauberer seien, die dem Menschen und dem Vieh auf verborgene Weise Schaden zufügen . . . Dinge, di(' . . . mutmasslich vom Teufel herkommen44. Nur glaubt er nicht, ״dass der Teufel Hörner, Klauen und Krallen habe, dass er einen Leib annehmenundin irgend einer Gestalt denMenschen erscheinen könne44 Mochte diese Vorsicht auch damals ihre Berechtigung* haben, wie ehrenvoll für den Mann, und für die Zeit hebt sich davon die Kühnheit ab, mit welcher Mose Maimuni ein halbes Jahrtausend früher dem Volksglauben entgegentritt. Er, der berufen(' ״Führer der Verirrten44, hat für alle Anhänger solcher Geisterverirrung nur das eine Wort: meschugga'im ״Wahnsinnige44. In seiner doppelten Meisterschaft als Theologe und Arzt und dank seinem hohen An- Ü Vgl unten § 55 Anm. ־) Auch Gerbert, Leo II. u. Honorius III. galten als Hexenmeister; ihre Feinde verbreiteten unter ihrem Namen Zauberbücher (Maury 220). ähnlich wie ein Maimuni zum Geheimkünstler gestempelt wurde. (St. Ps. 26). Noch Pius IX. war wegen des bösen Blickes gefürchtet. Uber die Excommunication des Kometen i. J. 1532 und der Engerlinge in Lausanne: Schindler 101 f. Jedes Kloster hatte einen Hexenpater, einig(' Orden besonderen Ruf als Teufelsbanner. 3) Cyrano de Bergerac, der Held des Uostan’sehen Schauspiels bestreitet bereits offen die Existenz der Hexen (Maury 221).

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