Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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58 4) Unsere erste Beilage Mitt. Heft I bildet den Hauptteil eines Bildes, über welches Herr Professor Dr. Kaufmann schreibt: In dem Machsor für die Sabbate im Besitze Dr. H. B. Levy’s in Hamburg leitet Benjamin b. Serach’s itti müUbhanon JcaJla [sir hasir 4,8] für den grossen Sabbat ein Vollbild ein. In einem von vier schwarzgeäderten Rosetten eingefassten Oblong, das am oberen Ende zwei verschlungene Drachen, am unteren zwei aus Einem Gefäss nach rechts und links sich windende Pflanzenornamente und am äusseren Rande ein Blattornament in 2 Farben einschliessen, wird im unteren Felde des Bildes, das von den roth um ränderten Goldmajusceln des Wortes itti überhöht wird, eine Scene dargestellt, die offenbar nur die Illustration von: ״Auf mit mir vom Libanon, o Braut" zum Gegenstände hat. Zwischen zwei zu einem Laubdach inein־ ander verschlungenen Palmen kniet vor der auf einer mit einem rothen Polster sitzenden Braut, die über dem blonden, in Zöpfen niederfallenden Haar eine dreizinkige Krone und um die Augen ein Tuch gebunden trägt, die Linke in die Hüfte gestemmt, der auf das rechte Knie gefallene Bräutigam, den geknöpften Trichterhut auf dem blonden Lockenhaar. Ein roter Mantel wallt zu Boden, unter dem ein graues Untergewand hervorblickt. Die trichterförmigen Aermel an den Gewändern der Figuren verdecken die Hände, welche die Liebenden einander reichen, so dass nur an der des Bräutigams die Finger sichtbar sind. Die Braut bedeckt ein grüner Mantel, dessen gefiedertes Unterfutter durch die Hebung des Armes sichtbar wird Mit der Kleidung des Bräutigams contrastirend ist das Unterkleid der Braut röthlich. Die Scene ist im Freien gedacht, da Pflanzenwuchs den Boden bedeckt. Grüne und rothe Sterne deuten den Himmel an, in dem das Wort itti sich ausbreitet, während unter dem Palmendache in zwei Feldern die unverzierten Worte millM-anon Icalla den Zwischenraum zwischen den Häuptern der Liebenden ausfüllen. Von einer Ringansteckung ist keine Spur. Der aufs Knie gesunkene Freier, ein Milchgesicht von einem Jüngling, ist als ritterlicher Werber aufgefasst, eine Illustration, welche die Aufforderung, die im Verse ausgesprochen ist, malen soll. Ueber Judenhüte vgl. Stobbe 97, Berliner Gesch. II, 2, 18 u. cod. Hamb. 37. Auch auf dem Bilde Mitt. 112 fehlt der Rabbiner2), während das Ringanstecken keinen Zweifel an der Bedeutung des Vorganges zulässt. Der Mantel des Bräutigams zeigt deutlich den gelben Judenring3) (vgl. Stobbe 76,87). Die Art, das Talith (?) zu tragen, kehrt auf den Illustrationen bei Kirchner, Bodenschatz usw. sowie auf einer Miniatur im cod. ms. 79 (Seder birkath ha-mazon, darin u. a. Judit mit dem Kopf des Holofernes, eine Magd, die ein Kind zu Bette bringt, Salomo mit den 60 Helden, Dawid mit der Harfe, alles künstl.) des Hn. Dr. H. B. Lew wieder. Die Bartlosigkeit fällt ebensowenig auf, wie in der Darstellung Mitt. VIII n. 29 aus cod. ms. 111 des H11. Dr. H. B. Levv. Besonders die holländ., also meist sefard., Juden trugen (vgl Bodenschatz IV S. 8) nur an den Schläfen ein ״kleines