Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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36 ein Licht anzuzünden, welches die ganze Woche hindurch brannte, ohne dass man Oel hinzuzugiessen brauchte. Der König hörte davon und befragte den Weisen darüber. Doch dieser verleugnete aus Bescheidenheit seine Wunderkraft. Nun machten sich junge übermütige Edelleute2), wenn sie nachts von einem Gelage an der Thür des Meisters vorüberkamen, den Spass. an seine Thür zu klopfen Da schützte sich der Weise, der dadurch in seinem Studium gestört wurde, gegen solchen Unfug durch eine sinnreiche Vorkehrung. Er steckte dicht an der Thür einen Nagel in die Erde, und sowie er mit einem Hammer darauf schlug, senkte sich gleichzeitig draussen vor der Thür das Erdreich. Der König hatte nun mit Jechiels Antwort nicht zufrieden, ihn nachts beim Studium zu überraschen beschlossen, um sich mit einen Augen von dem Wunder zu überzeugen. Es klopfte denn auch einmal in später Stunde an die verhängnisvolle Thür. Als nun Jechiel. der draussen einen jener Störenfriede vermutete, auf den Hammer schlug, sank der König sogleich bis an die Hüften in die Erde. Aber nun sprang mit einem Male, als der Meister wieder zuschlug, der Nagel heraus, und gleichzeitig wurde auch der König wieder emporgehoben. Jechiel ahnte nichts Gutes, und wie erschrak er erst, als er den König vor sich stehen sah! Doch dieser verzieh ihm, wenn er nun das Wunder sehen dürfe. Da zeigte ihm denn der Meister sein Licht. Es brauchte freilich kein Oel; denn es war aus Marmel3), das leuchtet wie Oel. Der König bewunderte seine Weisheit und machte ihn zu seinem obersten Ratgeber. Das erweckte den Neid des ganzen Hofes, und man verleumdete unseren Jechiel. dass er den König für unrein halte und niemals4) Wein aus einem Glase trinken werde, welches der König auch nur berührt habe. Dieser stellte einst bei Tisch den Meister darüber zur Rede, und Jechiel blieb ihm die Antwort nicht schuldig. Sobald die Tafel aufgehoben war und der König sich, wie üblich, die Hände gewaschen hatte, da nahm Jechiel das Waschbecken aus seiner Hand und trank vor aller Augen das Wasser aus5). Als der König nun sah, wie nichtig jene Verleumdung war, da ja Jechiel selbst sein Waschwasser nicht für unrein hielt, war er ihm noch mehr zugethan, als zuvor.