Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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35 ״Schliesslich," so rief er, ״setzt sie sich noch auf das Dach der Kirche, und da werdet ihr auch Juden darin suchen wollen?!" Kaum hatte er dies ausgesprochen, so stürzten in der That Leute mit der Meldung herein, die Gans süsse auf dem Kirchdach. Da sahen denn die Bürger ihr schweres Unrecht ein und Hessen die überlebenden Juden unbehelligt. Zum Andenken bestimmten diese den zehnten Adar zum Fasttag. 27. Papst und Jude.J) Zu Mainz lebte einst ein frommer Mann, namens Meister Simon der Grosse־). Der hatte in seinem Hause drei grosse Spiegel3) hängen, in denen konnte er alles sehen, was geschehen ist und was geschehen soll. Auch sah man auf seinem Grabe1) zu seinen Häupten einen Quellbrunnen hervorsprudeln. Diesem Meister Simon wurde einst von einer Dienstmagd5) sein Söhnchen Elchonon entführt und getauft. Elchonon wurde Geistlicher und stieg höher und immer höher, bis er schliesslich gar Papst'5) wurde. Als solcher zeigte er sich den Juden günstig, wie keiner seiner Vorgänger. Er zog auch welche von ihnen an seinen Hof, besonders gern aber spielte er mit Juden Schach7). Eines Tages, da ihn wieder die Sehnsucht nach seinem alten Vater quälte, erliess Elchonon an dem Bischof von Mainz den Befehl, die dortigen Juden zu vertreiben. Die Juden sandten deshalb, so hatte es ja Elchonon richtig vorausgesehen, an den Papst eine Abordnung, zu der auch der alte Meister Simon gehörte. Der Papst nahm die Gesandtschaft sehr freundlich auf und lud Meister Simon zu einer Partie Schach ein. Wie erstaunte der aber, als der Papst da vor ihm einen seltenen Zug that den er seinem Elchonon einst gezeigt hatte! Und nun liess dieser seine Kardinäle und sonstige Anwesende hinausgehen und gab sich seinem Vater zu erkennen8). Die Juden kehrten natürlich mit den besten Geleitsbriefen nach Mainz zurück, und der Befehl des Bischofs wurde auf־ gehoben. Später besuchte Elchonon seine alten Eltern. 28■ Die W11nderlampe.1) Zu Paris lebte einst ein frommer und weiser Mann, Meister Jechiel geheissen. Der besass die Kunst, vor Eintritt des Sabbats