Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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31 raten. Sonst müsse er, so sagte die Königin, mit seinem Leben dafür büssen. Alles war erstaunt über den plötzlich erworbenen Reichtum des Mannes. Seine Frau4) trug an Festtagen die Finger voll kostbarer Ringe. Schliesslich wollte sie selbst von ihrem Manne wissen, woher er mit einem Male zu so vielem Geld gekommen sei. Da er ihr die Frage nicht beantwortete, beobachtete sie argwöhnisch sein ganzes Thun und Treiben. Da fiel es ihr denn gar bald auf, dass ihr Mann regelmässig mittags nach Tisch sich zurückzog, um, wie er sagte, sein Mittagsschläfchen zu halten. Die Frau schlich ihm einmal nach und beobachtete so, ohne bemerkt zu werden, ihren Mann und die Königin Die Königin merkte sogleich, dass ihr Geheimnis verraten sei, und nun drohte sie dem Manne, er müsse für diesen Verrat den Tod erleiden. Als er ihr aber eidlich seine Unschuld beteuerte, schenkte sie ihm das Leben. Doch nun sollte er noch ärmer werden, als zuvor. Auch wollte sie ihren beiden Kindern den Hals umdrehen. Wenn er nach drei Tagen auf die Rheinbrücke ginge, so würde er einen Sarg den Rhein hinunter schwimmen5) sehen. Diesen sollte er sogleich am Ufer des Rheins bestatten6); denn darin lägen die Leichen der Kinder. Und alles erfüllte sich, wie die Königin gesagt hatte. 23. Die verschlossene Truhe.^ Ein frommer und reicher Mann hatte drei Söhne. Und als er sein Ende nahen fühlte, da übergab er ihnen eine verschlossene Truhe und liess sie in Gegenwart der versammelten Gemeinde geloben, die Truhe nicht zu öffnen, ausser wenn einer von ihnen in die bitterste Not geraten sollte. Die Truhe sollte ein Jahr von dem einen, das nächste Jahr wiederum von einem anderen Bruder verwahrt werden, und während der eine die Truhe bei sich hatte, sollte der andere den Schlüssel dazu in seine Obhut nehmen. Nach dem Tode des Vaters wurde sein Vermögen zu gleichen Teilen unter die Brüder verteilt, und so gross auch jeder einzelne Anteil war, der jüngste Bruder2) hatte den seinen bald verprasst. Da wollte er denn die Truhe öffnen lassen. Doch der älteste Bruder schenkte ihm lieber fünftausend Thaler, ehe er sich gegen den Willen des Vaters vergangen hätte. Nicht lange darauf kam der Verschwender wiederum zu seinem