Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 zu einem Meister und lernte bei ihm so eifrig, dass er bald ebenso viel wusste, wie dieser. Da kam die Zeit, wo in Regensburg seine Hochzeit sollte gefeiert werden8). Schleunigst machte sich denn unser Chanina auf. Sein Meister und fünfzig Mitschüler gaben ihm das Geleit. Unterwegs trennte ihn jedoch ein Zufall von seinen Begleitern, und er geriet in einen grossen Wald, als gerade der Sabbat anbrach. Zum Glück fand er ein einsames Häuschen, in welchem alles auf’s kostbarste eingerichtet war. In einer der Kammern sass ein würdiger Greis, über die heiligen Schriften gebückt. Unser Chanina setzte sich zu ihm und studirte mit. Indess war der Sabbat da, und rätselhafte Gestalten versammelten sich zum Gebete. Der Vorbeter hatte eine so wunderschöne Stimme, dass Chanina sich umsah, ob etwa eine Orgel oder Pfeifen oder Sänger4) daseien. Nach Sabbatausgang klagte er jenem alten Manne sein Leid, und dieser wies ihm den Weg. Bald fand er auch seine Begleiter wieder, und auf einer Wolke, die sich auf einen Berg in der Nähe niedergelassen hatte, kamen sie alle noch rechtzeitig in Regensburg an, als Chaninas Braut bereits mit einem anderen getraut5) werden sollte. Obwohl sie diesen anfangs nicht hatte leiden mögen, war sie des Wartens auf Chaninas Rückkunft schliesslich doch müde geworden6). Nun war natürlich alles wieder in Ordnung. Jener alte Mann aber war der Profet Jeremia7), der Küster8), von dem Chanina alles dies erfuhr, war kein anderer, als der Profet Elia, der Vorbeter: Mose, der Priester, der zuerst zum Verlesen der Gotteslehre aufgerufen worden: Ahron, die anderen Beter: Abraham, Isak und Jakob und andere Helden der heiligen Geschichte. 22 Die Königin von Saba.1) Einst lebte zu Worms ein Mann, der war sehr angesehen. Obwohl unvermögend, wusste er doch seine Armut vor der Welt zu verbergen. Eines Tages, als er traurig2) über sein Geschick nachdachte, trat ein Weib herein, so schön, wie er nie eines gesehen. Ihr goldenes Haar war so lang, dass es ihr zwei edle Jungfrauen in einem goldenen Becken nachtragen mussten3). Es war die Königin von Saba. Sie versprach ihm eitel Gold und Silber, wenn er nur täglich, sobald die Uhr Zwölf geschlagen, an Ort und Stelle sich einfinden wolle. Der Mann ging darauf ein und versprach auch keinem Menschen das Geheimnis zu ver-