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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 28

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 11). Der betrogene Teufel•1) Ein armer Hausirer wanderte einst des Nachts bei hellem Mondschein eiligst der Heimat zu; denn er hatte in seiner Familie ein freudiges Ereignis zu erwarten. Da sah er plötzlich auf einem Baume an der Landstrasse dicht vor sich eine Gestalt sitzen, welche mit vollen Händen Goldstücke herabwarf. Die Gestalt rief ihm zu: ״Sieh, mein Lieber, all’ dies Geld soll dein sein, wenn du mir dafür das Neueste schenkst, das du zu Haus antriffst/‘ Der arme Mann sah nur das blinkende Gold, er dachte gar nicht weiter der Rede nach und ging den Handel ein. Aber bald beschlich ihn ein Grauen, eine böse Ahnung, und kaum war er in seinem Heimatsorte, als er auch schon zu einem weisen Freunde eilte und ihm den Vorgang erzählte. ״Die Gestak/‘ so erklärte ihm dieser das Erlebnis, ״die Gestalt, die du gesehen hast, ist der Teufel, und das Neueste, das er von dir kaufen wollte, das ist das Kindchen, das du erwartest.u Um dem Teufel seine Beute abzujagen, nahm man nun eine Katze, welche Junge werfen wollte in des Hausirers Haus, und ein Kätzchen, welches bei seinem Eintritt in sein Haus soeben war geboren worden, löste wirklich sein Kind aus. Denn kaum war dieses zur Welt gekommnn, da ging ein furchtbares Krachen durch das ganze Haus, die Lichter erloschen, und in dem Tische fand man hinterher ein grosses rundes Loch, wie wenn der Blitz eingeschlagen hätte. ״Das war des Teufels Rache/' sagten die frommen Leute, welche sich, wie bei Wöchnerinnen üblich, in jener Nacht zum Studium eingefunden hatten. Der Vater des Kindes behielt aber ausser diesem auch noch das Gold, welches ihm der Teufel gegeben hatte. 20. Der ungeschickte Hexenmeister.1) Meister Leser2) in Worms, ein berühmter Zauberkünstler, hatte sich einst9) von seinen Schülern erbitten lassen, Joab, den grossen Feldherrn, zu beschwören. Er nahm eine Kanne, welche noch keinen Deckel hatte und noch nie in Gebrauch gewesen, und kaum hatte er das Zauberwort gesprochen, da vergrösserte sich die Kanne ms Ungeheure, und Joab stieg in voller Rüstung daraus hervor. Gleichzeitig erweiterte sich das Zimmer seiner Riesengrösse entsprechend, und bei jedem seinerSchritte schwankte das ganze Haus hin und her. Da gerieten die Schüler in grosse Angst und baten den Meister, Joab wieder in die Kanne zu

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