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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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27 Doch sofort zog nun sein schlauer Wirt die Axt heraus, und das Unglück war gefangen. Lustig zog er nun heim, und da er jetzt das Unglück los war, wurde er in kurzem ein reicher Mann. Dem reichen Bruder liess der Neid keine Ruh’. Er drang solange in den Bruder, bis dieser ihm einmal in einer guten Laune die ganze Geschichte zum besten gab. Da eilte der Neidhart sogleich in den Wald, um dem Unglück aus der Klemme zu helfen und es seinem Bruder wieder in’s Haus zu schicken. Schon von weitem hört er das Unglück schreien und dem treulosen Wirte fluchen Da ruft er ihm zu: ״Ich will dich befreien. Doch schwöre mir, dass du mir folgen willst!״ Das that das Unglück nur zu gern. Sie gingen zusammen nach der Stadt zurück, und vor der Stadt begann der böse Geselle: ״Nun, mein liebes Unglück, halte dein Versprechen, mir zu folgen, und gehe in dein altes Heim zurück!״ ״I", sprach da Unglück, ״zu dem schlechten Kerl soll ich zurückkehren, der mich so betrogen hat? Nein, dir zu folgen habe ich geschworen, und das will ich denn auch thun.״ So wurde der Bösewicht das Unglück nicht mehr 10s;j) und erntete reichlich den verdienten Lohn. B. Einst4) kehrte das Unglück bei einem Wormser Juden5) ein. Der wurde bald so arm, dass er die Gemeindesteuern nicht mehr zahlen konnte/׳) Da ging er zum Rabbiner und klagte ihm sein Leid. ״Ich ziehe nicht gern aus der Gemeinde weg,־‘ so sprach er, ״weil ich doch Kaddisch u־borchu7) auf dem Dorf8) nicht hören kann.״ Doch der Rabbiner riet ihm9): ״Ziehe getrost hinweg! Nimm den Bock und halte ihn gegen den Sock’, d. h. nimm den Bo[rchu] K[addisch], den du in der Gemeinde hören kannst, und halte dagegen S[in] o K[inno|10). die du aut dem Dorfe nicht zu fürchten hast, wie in einer Stadt, wo viele Juden bei einander wohnen!״ Der Mann liess sich das gesagt sein. Er nahm all: sein Hab’ und Gut, das wenige, das er noch hatte, und lud es auf einen Wagen. Aber wie er das Haus eben zugeschlossen hatte, da klopfte es von innen an die Thür. Er rief: ״Wer ist da? Mein Weib und Kind sitzen ja schon auf dem Wagen.״ Doch das Klopfen wollte nicht nachlassen. Da rief er wieder: ״Wer ist denn noch im Haus?״ Und von innen hörte man11) ant־ Worten: ״Das Unglück ist noch da, das muss auch mit dir aufs Dorf.״ Wie er das hörte, da sprach er: ״Nun so will ich lieber hier in der Gemeinde bleiben.״ Er zog in ein anderes Haus und kam zu Geld und Ehren.

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