Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1898
- Issue
- 2 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Die eine Krähe wollte ihm, den sie für tot hielt, die Augen aushacken. Doch die andere, ihr Vater, warnte sie davor. Trotzdem flog die ungehorsame Krähe auf den gehorsamen Sohn, doch dieser griff rasch zu und wollte ihr den Hals umdrehen5). Die andere bat ihn aber inständig um das Leben ihres Kindes und zeigte ihn dafür unter einem Baume einen grossen Schatz. So ging des Vaters Verheissung in Erfüllung. 17. Der Wasserkönig.1) Haninna, die Tochter eines reichen Prager Juden, folgt ihrem Geliebten, dem Könige der Elbe und der Moldau, als Gattin in sein unterirdisches Reich. Durch diese Treue erlöst sie ihn aus einem tausendjährigen Bann, den Dagon2), der Herrscher aller Fluten, über ihn verhängt hatte3). Einige Zeit darauf wird ihre Muhme Schiffre4), die Wehmutter, mitten in der Nacht zu einer Frau geholt. Ihr Führer bringt sie auf rätselhafte Weise in einen Palast und in der kreissenden Königin erkennt sie Haninna wieder, die ihr an demselben Nachmittage bereits in Gestalt einer schwarzen Katze5) erschienen war. In dieser Verwandlung durfte sie nämlich, so oft es ihr beliebte, unter den Menschen leben. Nachdem Schiffre ihren Dienst verrichtet, bietet ihr der Wasserkönig Gold und Edelstein zum Lohne. Doch, von Haninna gewarnt, erbittet sie sich nur einige Kohlen, die sich jedoch nach ihrer Rückkehr auf die Oberwelt in eitel Gold verwandeln6). 18. Das Unglück.1) A. In einer Stadt lebten zwei Brüder, der eine reich, der andere arm. An einem strengen Wintertage sprach der Arme zum Unglück2), seinem ständigen Gaste: ״Wie wär’s, wenn wir in den Wald gingen, um Holz zu holen? Du willst doch ebenso gut, wie ich, eine warme Stube haben.“ ,,Gut,“ meinte das Unglück. So kamen sie denn in den Wald, und der Arme fällte einen starken Baumstamm und wollte ihn spalten. ״Mein Lieber,“ sprach er alsdann zum Unglück, ,,sieh’ doch nur, ich habe meinen Keil zu Haus vergessen, willst du nicht ein kleines Weilchen mir behilflich sein, den Baum zu spalten?“ Das Unglück steckte auch die Hand in den Spalt, um ihn offen zu halten.