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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 23

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 Unterwegs, in bitterster Not, sah er einst, als er hinter seinen Begleitern ein wenig zurückgeblieben war, an einem Brunnen ein Wieselchen13) vorüberlaufen, das hielt in seinem Maul ein hübsches goldenes Ringelein14). Als der Meister ihm nach־ setzen wollte, da liess es den Ring fallen und lief weiter. Der Ring schien aber gar nichts wert zu sein. Nur als der Meister ihn näher betrachtete, da bemerkte15) er darauf eine alte Schrift1B): Ob ich gleich schlecht bin anzuseh’n, Kann mich keiner doch erstehen. Der Meister war nicht auf den Kopf gefallen und dachte: ״Das muss doch eine eigne Bewandtnis17) haben.“ Er steckte den Ring an den Finger und wünschte sich sogleich einen Sack18) voll Geld. Kaum hatte er das Wort ausgesprochen, so lag der Sack schon vor ihm. Und als sie in die nächste Stadt gekommen waren, da zeigte er seinen Gefährten all’ das Geld und sagte, das hätte ihm ein Verwandter, der dort wohnte, zum Geschenk gemacht Man kehrte nun heim, und alles ging wieder seinen alten Gang19). Da begab es sich eines Sabbats, als sich der Meister, wie sein Brauch war, zur Ruhe niederlegte, um alsdann seinen Schülern vorzutragen20, dass sein Weib ihn fragte, woher er denn zu alb dem Reichtum gekommen sei. Sie bat so lange, bis er ihr das Geheimnis verriet. Aber als er ihr nun gar den Ring in die Hand gab, da wünschte das böse Weib sogleich: ״Dass21) mein Mann doch ein Werwolf wär und hinaus in den Wald unter die wilden Tiere22) liefe Kaum war das Wort aus ihrem Munde, da sprang der gute Meister23) zum Fenster hinaus und lief, bis er in einen grossen Wald kam, den man den Böhmerwald nennt. Hier richtete er grossen Schaden an und frass viele Menschen, so dass sich keiner mehr durch den Wald zu gehen getraute. Denn so ein Werwolf24) ist viel stärker, als ein Löwe und hat obendrein noch Menschenverstand. Nur einem Kohlenbrenner25) that der Werwolf nichts, er hielt mit ihm gute Kameradschaft und blieb auch meist in der Nähe seiner Hütte. Da liess der König des Landes bekannt machen: ״Wer mir den Werwolf bringt, es sei lebendig oder tot, dem will ich meine Tochter geben, und der soll einst mein Erbe werden/‘ Einer der Ritter, ein siegreicher Held, unterzieht sich dem Wagnis. Er achtet der Warnung des Köhlers nicht und nimmt es mit dem Werwolf auf. Doch dreimal wird er zu Boden geschleudert, und wenn nicht der Köhler für ihn gebeten hätte, wäre er gewiss um’s Leben gekommen. Nun wurde aber der Werwolf mit einem Male sehr zutraulich. Er lässt sich von dem Ritter, wie ein Hund, an seinem Gürtel führen und kommt so

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