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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 22

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 Schrift5): die Vögel, die zwischen Himmel und Erde fliegen, die werden es aussagen. Drum sieh! Der Vogel6), der dort auf jenem Baume sitzt, der sagt es aus7).״ Da wurde der Räuber noch grimmiger und erschlug den Juden8) Unterwegs kam er in ein Wirtshaus, und der Wirt setzte ihm einen solchen Vogel gebraten vor, wie er ihn auf jenem Baum hatte sitzen sehen Da dachte der Räuber an die Worte des Juden und hob laut zu lachen an. Der Wirt stand an dem Tisch und sprach: ״Warum lachst du so? Dieweil du so ohne Grund9) lachst, muss doch gewiss eine Schalkheit dahinter stecken. Drum, Lieber, sag mir’s, was lachst du?" Der Räuber dachte: es war ja nur ein Jude, was ist denn daran viel gelegen? Und er erzählte dem Wirt den ganzen Handel. Der sagte sich aber: ״Hat der den Juden erschlagen, so hat er gewiss noch mehr auf dem Gewissen." Er eilte sogleich im Geheimen zum Bürgermeister10) und berichtete ihm, was er wusste. Alsdann setzte er sich wieder, wie wenn nichts geschehen wäre, zu seinem Gaste. Da trat mit einem Male der Bürgermeister mit drei Schergen herein und rief dem Räuber zu: ״Gieb dich gefangen!" Nun konnte sich der Räuber vor Schreck gar nicht rühren. Er wurde sogleich auf die Folter gespannt11) und gestand alle seine Schändlichkeiten. Die sollte er gar bald auf dem Rade büssen12). So ist es wahr geworden, was der Jude gesagt hat: ,,Die Vögel des Himmels werden es verraten.“ 14. Der Wunschring.1) Im Lande Uz2), weit, weit von hier, lebte einst ein gar köstlieber3) Meister, der besass ungezählte Schätze4) und war so klug, dass er alle Sprachen der Welt5) kannte. Er unterhielt ein ganzes Lehrhaus6) mit vielen wackeren Schülern7), die alle an seinem Tische speisten und bei ihm wohnten. Kurzum8), es war ein Mann, wie er selten gefunden wird9). Nur hatte er ein böses Weib, die verdross es sehr, dass ihr Mann auf diese Art das Geld verthat10). Nun sagt das Sprichwort: ״Wenn das Seil zum strengsten, so reisst11) es gern." So geschah es dem Meister auch. Sein Geld wurde immer weniger, und schliesslich war er so arm, dass er heimlich aus der Stadt ziehen wollte12), nur um des Bettlers Schande zu entgehen. So machte er sich denn mit fünfzig seiner Schüler, die ihm treu blieben, auf den Weg. Niemand in der Stadt wusste, wohin er sich gewendet habe.

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