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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 dadurch ehren, dass er ihm seine einzige Tochter zur Ehe versprach. Doch als er sein Missgeschick erfahren hatte, da liess er ihn mit reichen Geschenken von dannen ziehen und gab ihm mit seinen Schülern feierliches Geleit. Auf seinem Wandern geriet unser Jüngling in einen grossen Wald. Drei Tage hatte er bereits den Wald durchirrt und nichts zu essen gefunden. Da erblickte er endlich einen Apfelbäum. Die Aepfel sahen ihn so einladend an, dass er sich sogleich welche herunterholte. Aber kaum hatte er in einen hineingebissen, da wurde er von heftigen Schmerzen geplagt und von einer schweren Krankheit befallen. Aber der Hunger trieb ihn, einmal einen anderen Apfelbaum, der dicht daneben stand, zu versuchen. Und welches Wunder! Er brauchte nur von diesen Aepfeln einen zu kosten, da war er auch schon von seinen Leiden geheilt. Klug wie er war, steckte er sich nun von den giftigen, wie von den guten Aepfeln so viel in die Taschen, als er nur tragen konnte. Endlich lichtete sich der Wald, und er kam in eine grosse Stadt, die Hauptstadt des Landes. Hier fand er alle Leute in tiefer Trauer. Ihr vielgeliebter König lag an einem schweren Leiden11) danieder. Es war gerade jene Krankheit, die man sich von jenen giftigen Aepfeln holte. Stracks liess sich unser Freund vor den König führen. Er wollte, was allen Doktoren12) misslungen war, versuchen. Zuerst gab er dem Kranken von den giftigen Aepfeln zu essen. Dadurch wurden die Schmerzen auf das Höchste getrieben. Hierauf reichte er ihm sogleich von den anderen Aepfeln, und im Nu fühlte sich der König gesund und munter. Er versprach seinem Retter das halbe Königreich. Doch dieser erbat sich nur eine Stadt, nämlich die, in der er geboren war und seine Eltern und Verwandten wohnten. Der König schenkte ihm nicht nur die Stadt, sondern obendrein eine stattliche Gefolgschaft der besten Ritter. Unschreiblich war die Pracht und die Freude, mit welcher der neue Stadtherr von den Bürgern empfangen wurde. Auch die Judenschaft brachte ihm auf der Burg ihre Huldigung dar. Ihr Führer überreichte einen kostbaren Aufsatz13) und zwanzig aparte Gläser dazu. Der Burgherr hatte unter den Juden sogleich seinen Vater erkannt, der in ärmlicher Kleidung beiseite stand, und ihm wies er das Geschenk zu. ״Der kann es wohl besser gebrauchen", meinte er freundlich. ״Doch wenn ihr einmal eine Hochzeit oder sonst eines eurer Feste feiert, so möchte ich gern dabei sein, um mich mit euren Bräuchen und Sitten bekannt zu machen." Da lud ihn denn der Führer, der kein anderer, als sein Oheim war, sogleich zur Hochzeit seiner Tochter ein, die noch in derselben Woche sollte gefeiert werden,

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