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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1898-01-01 · 2 (1898) · p. Seite 19

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1898
Issue
2 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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19 sehr gelehrt und reich. Aber die Frau, die dachte wiederum an einen Bruderssohn, der war wohl nicht minder gelehrt, aber bettelarm. Da sich nun die beiden Gatten nicht einig werden konnten, wem sie ihr Kind geben sollten, so luden sie ihre ganze Verwandtschaft und Freundschaft ein, die sollten entscheiden. Die Gäste rieten lange hin und her. Endlich sprachen sie zu ihren Wirten: ״Gebet jedem der beiden Freier zweihundert Thaler, damit sollen sie ein Jahr lang auf die Wanderschaft gehen. Alsdann wird sich zeigen, wer damit besser gewirtschaftet hat.״ Die Wirte waren es zufrieden Auch die beiden Nebenbuhler waren darob hochbeglückt. Ein jeder meinte, er wolle die schöne Jungfrau3) schon bekommen, als wär’ ihm eine gebratene Taub’ in’s Maul geflogen4). Sie kauften ein, der eine Waren, der andere Edelsteine5) und zogen frohgemut von dannen. Aber schon in der ersten Herberge, in der sie einkehrten, wurden sie arg bestohlen. Dem einen nahm man den Beutel, worin er sein bares Geld verwahrte, dem anderen aber mit dem Beutel sein ganzes Hab' und Gut; denn all’ sein Edelgestein hatte er darein gethan. Jener zog nun freudig heim, da ihm seine Waren noch geblieben waren, während der andere hilflos Zurückbleiben musste. In seiner Hilflosigkeit trat er in ein Lehrhaus ein, an welchem er gerade vorüberkam. Es war das Lehrhaus des Fürsten6) von Babylon. Nicht weniger, als vierhundert emsige Schüler fand er da zu den Füssen des grossen Meisters.7) Der Arme8) setzte sich bescheiden hinter den Ofen und getraute sich nicht, ein Wort mitzureden. Da hörte er, wie der Meister den Schülern für den nächsten Tag eine schwierige Aufgabe9) zu lösen gab. Von keinem bemerkt, blieb er im Lehrsaal zurück, und als es Nacht geworden war, setzte er sich an die Bücher, in denen er wohl bewandert war, und begann der Frage nachzusinnen. Und siehe da! Es öffnete sich die Thür und herein trat der Prof et Elia.10) Er setzte sich neben den Freiersmann und ■half ihm die Aufgabe lösen. Wie freute sich nun der Meister über den Scharfsinn seiner Jünger, als er am nächsten Morgen auf seinem Pulte die Lösung seiner Aufgabe vorfand. Doch keiner seiner Schüler wollte der Verfasser sein. Als sich derselbe Vorgang am nächsten Tage wiederholte, wurde der Meister doch neugierig. Er machte in die Thür des Lehrsaales eine kleine Oeffnung und beobachtete durch das Loch den Fremden, wie er aus seinem Versteck hervorkam und eifrig studirte. Den Profeten Elia gewahrte er nicht. Tags darauf holte er den Armen hinter dem Ofen hervor, erzählte seinen Schülern, was er gesehen, und wollte den Braven

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